Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 3 (März 1935)
- Article
- Arbeiterbewegung. Von Dr. A.T.
- Date
- 1935-03-01
- Page
- Seite 151 (sequence 7)
- Language
- German
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Schaft und einseitige Urbanisierung der jüdischen Bevölkerung bekämpft werden müssen1, sich gegenseitig zu zerfleischen. Der an sich notwendige Kampf gegen den Revisionismus müsse auf eine gewisse Zeit gegenüber jenen dringenden Aufgaben zurückgestellt werden. Und wenn demgegenüber Zweifel geäußert werden, ob die Revisionisten sich an die geschlossenen Verträge halten würden, nachdem sie jahrelang eine rein negative, zerstörende Tätigkeit geführt haben, so sei darauf zu antworten, daß auch in diesem Falle die Position der Histadruth eine stärkere sein werde, da die Revisionisten dann sicherlich die moralische Stütze, die sie heute in gewissen Kreisen des Jischub und1 des Zionismus finden, verlieren würden. — So sieht, in den allgemeinsten Zügen dargestellt, der Meinungskamipf aus, der in den Reihen der palästinensischen Arbeiterschaft ausgefochten wird und die Arbeiterschaft vor eine tiefe Schicksalsfrage stellt. Wie und wann dieser Kampf zu Ende sein wird, vermag im Moment, wo diese Zeilen niedergeschrieben werden (Anfang Februar 1935) kaum vorausgesagt zu werden. Es mag sein, daß der Ausgang des Referendums, von dem früher die Rede war, eine Klärung der Situation herbeiführen wird, es ist aber auch nicht ausgeschlossen, daß die Entscheidung schließlich doch auf der Konferenz der Jüdischen Arbeiterpartei Palästinas fallen wird, die infolge der überaus schweren inneren Situation in der Partei immer wieder vertagt, schließlich um die Mitte des Monates März doch zusammentreten wird. Eine historische Verantwortung wird wiederum der palästinensischen Arbeiterschaft aufgebürdet und es kann kaum von einer Übertreibung die Rede sein, wenn die Geister von A. D. Gordon und Chaan Brenner heraufbeschwört werden, um den richtigen Weg aus der Qual der gegenwärtigen Situation zu finden. 2. Der Entwicklungsweg der Arbeitergenossenschaften« Das große Werk des Genossenschaftswesens, das sicherlich als das hervorstechendste Merkmal der jüdischen Arbeiterbewegsung in Palästina bezeichnet werden kann, hat in den letzten Jahren mannigfache Änderungen durchgemacht, die seine innere Struktur bedeutend beeinflußt haben. Waren es früher bloß die landwirtschaftlichen Produktivgenossenschaften, die diesem Abschnitt des Arbeiterlebens das charakteristische Gepräge verliehen haben, indes die anderen Arten der Genossenschaften wenig oder gar nicht bekannt waren, so brachten die letzten Jahre eine ziemlich bedeutende innere Differenzierung mit sich. Das Konsumgenossenschaftswesen, das lange Jahre hindurch eigentlich bloß theoretisch existierte, da die einzige bestehende, allerdings sehr große Konsumgenossenschaft, der »Hamaschbir«, sich auf eine sehr kleine Mitgliederzahl stützte und die Grundsätze des Konsumgenossenschaftswesens nur wenig befolgte, erst* jetzt zu einer bedeutenderen Entwicklung gelangt ist, es konsolidiert sich auch immer mehr das gewerbliche Produktivgenossenschaftswesen in den Städten und schließlich ist als der letzte Zweig des Arbeitergenossenischaftswesens eine ziemlich große Anzahl' von Arbeiterkreditgenossenchaften entstanden, die sich einen ziemlich bedeutenden Einfluß im Leben der Arbeiterschaft zu erobern vermochten. So läßt sich denn das palästinensische Arbeitergenossenschaftswesen jetzt in vier Hauptkategorien, die der landwirtschaftlichen Produktivgenossenschaften, der Konsumgenossenschaften, der gewerblichen Produktivgenossenschaften und der Kreditgenossenschaften, einteilen, die sich im Sinne der Vorschriften des neuen palästinensischen Genossenschaftsgesetzes aus dem Jahre 1933 in vier Revisionsverbände organisiert haben. Die nunmehr angestrebte Zusammenfassung dieser Verbände in eine oberste Körperschaft wird die Realisierung der Idee einer genossenschaftiiehen Arbeiterrepu'blik in Palästina bedeuten. Zahlenmäßig sieht der Stand dieser neuen Zweige des palästinensischen Arbeitergenossenschaftswesens im gegenwärtigen Augenblick folgendermaßen aus: