Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 3 (März 1935)
- Article
- Arbeiterbewegung. Von Dr. A.T.
- Date
- 1935-03-01
- Page
- Seite 150 (sequence 6)
- Language
- German
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Arbeitsbedingungen, ohne sich einem Schiedsgericht unterwerfen zu wollen. Es sei überdies unerhört, der Arbeiterschaft selbst in diesem Falle die Möglichkeit einer direkten Verteidigung ihrer Interessen im Streikweg zu nehmen. Übrigens sei es sogar vom Standpunkt einer Regulierung der Beziehungen mit den revisionistischen Arbeitern gar nicht erwünscht, von einem bestimmten Perzentsatz dieser Arbeiter die Möglichkeit, bzw. Unmöglichkeit einer Streikploklamierunig abhängig zu machen. Dies könne höchstens dazu führen, daß man sich bemühen werde, die Zahl der revisionistischen Arbeiter nicht bis zu dem erforderlichen Minimum anwachsen zu lassen, was wiederum eine weitere Verschärfung der Beziehungen zur Folge haben müsse. Aus der scharfen Ablehnung der Beschränkungen des Streikrechts ergibt sich auch die Ablehnung des Schiedsgerichtzwanges', der einen integralen Bestandteil des Abkommens ausmacht. Zwischen dem Regime der Verträge, das von jenem Abkommen proklamiert werde und1 dem Regime des Schiedsizwanges der Revisionisten laut der faschistischen Ideologie, sei kein wesentlicher Unterschied zu finden. Die Arbeiterschaft werde in beiden Fällen ihrer Freiheit beraubt. Daraus ergebe sich auch folgerichtig der Gedanke einer Arbeitsordnung, die vom obersten Wirtschaftsrat, zusammengesetzt aus allen Wirtschaf tsfaktoren innerhalb der Bevölkerung festgestellt werden soll, der mit dem System der faschistischen Korporationen fast identisch sei. Gegenüber dieser, in der Hauptsache auf sozialen Momenten basierenden Motivation, rücken die Jasager zum1 größten Teil1 mit Zweckmäßigkeitsargumente hervor. Es sei zunächst darauf aufmerksam gemacht, daß sich diese Jasagerei, von ganz geringen, früher erwähnten Ausnahmen abgesehen, lediglich auf die Verträge über Nichtanwendung von Gewaltmitteln, sowie über die Regelung der Arbeitsbeziehungen bezieht. Der Gedanke von weiteren Verhandlungen mit den Revisionisten wird von allen Kreisen der Arbeiterschaft, also nicht bloß von den Neinsagern abgelehnt. Des weiteren wird auch von den Jasagern bloß ein Kompromiß mit den Revisionisten, nicht aber mit dem Revisionismus in Betracht gezogen. Gegenüber der Meinung, daß es unzulässig sei, über praktische Dinge zu verhandeln, solange in prinzipiellen Fragen keine Annäherung erreicht worden ist, kehren die Jasager die gerade entgegengesetzte Anschauung hervor: Prinzipiell gebe es keine Brücke zwischen den Revisionisten und der in der Histadruth organisierten Arbeiterschaft, dagegen sei es sicher möglich und erwünscht, die Reibungsfläche im tagitäghchen Leben zu vermindern. Der heutige Zustand des Chaos in den Beziehungen mit den revisionistischen Arbeitern sei unerträglich und habe viel schlimmere Konsequenzen zur Folge, als es bei einer vertraglichen Regulierung der Fall sein könnte. Heute sei es doch praktisch in den meisten Fällen gar nicht möglich, einen Streik zu proklamieren, da sich fast immer Streikbrecher aus den Reihen der Revisionisten finden, wobei als ganz besonders komplizierend1 der Umstand dazukommt, daß es sich hier fast ausnahmslos um Streikbrecherei aus Überzeugung handle, der gegenüber weder mit Aufklärung, noch auch mit Drohungen etwas anzufangen sei. Es sei also sicherlich besser, diese revisionistische Streikbrecherei, sei es auch um den Preis gewisser Konzessionen, aus der Welt zu schaffen, als den gegenwärtigen unerträglichen Zustand zu petrifizieren. Die Einschränkung des Streikrechtes sei übrigens keine bedeutende, die im Vertrag erwähnten Fälle, wo der Streik ohne weiteres proklamiert werden könnte, umfassen tatsächlich alle lebenswichtigen Gegebenheiten und1 in den anderen Fällen, wo es sich zumeist um keinen klaren Sachverhalt handle, sei es oft besser, den Schiedsspruch abzuwarten, als mutwillig einen Streik zu proklamieren. Darüber hinaus müsse noch der nationale Gesichtspunkt im Auge behalten werden. Es habe keinen Sinn, gerade im gegenwärtigen Augenblick, wo alle Kräfte um das Aufbauwerk konzentriert und1 derartige eminente Gefahren, wie Arabisierung der jüdischen Landwirt-