Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 3 (März 1935)
- Article
- Arbeiterbewegung. Von Dr. A.T.
- Date
- 1935-03-01
- Page
- Seite 148 (sequence 4)
- Language
- German
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der zu den treuesten Bundesgenossen der Arbeiterschaft gehört. Übrigens ist die Kritik seitens des Haschomer Hazair trotz ihrer Schärfe doch viel vorsichtiger, als die der linken Poale-Zion und das Argument der »faschistischen Gesinnung« der Führer der Jüdischen Arbeiterpartei Palästinas, fehlt hier fast vollständig- Es (macht sich umgekehrt innerhalb des Haschomer Hazair letztens die Tendenz geltend, einen Weg der intensiven Kooperation und vielleicht auch der Vereinigung, mit der Jüdischen Arbeiterpartei Palästinas um den Preis der Zurückweisung der Londer Verträge zu suchen. Mit Bezug darauf wird auch die Aufforderung an die Jüdische Arbeiterpartei Palästinas gerichtet, zwischen den 60.000 jungen Pionieren des Haschomer Hazair und dem Lager des Revisionismus mit seinen Gewaltmethoden und seiner Negierung, der zionistischen Disziplin zu wählen. Doch, wie gesagt, es wäre verfehlt, bloß die beiden Gruppen der linken Poale-Zion und des Haschomer Hazair für den heftigen Meinungskampf innerhalb der Histadruth verantwortlich zu machen. Eine nicht minder wichtige Rolle in diesem Kampf spielt die Jüdische Arbeiterpartei selbst, in der sich ein überaus großer Teil entschieden gegen die Ratifizierung der Londoner Verträge ausgesprochen hat. Es kam innerhalb der Partei zu einem solch starken Zusammenstoß der Anschauungen, wie er woM1 noch nie zu verzeichnen war und es ist bloß der einzigartigen Geschlossenheit und der inneren Disziplin der Partei zu verdanken, daß keine offene Spaltung erfolgt ist Diesem überaus schweren und durch Abstimmungen sicherlich nicht zu überwindendem Gegensatz der Anschauungen ist es auch zuzuschreiben, daß man sich entgegen der sonstigen Gepflogenheit dazu entschlossen hat, die Entscheidung in diesem Falle nicht den Instanzen der Partei, die fast identisch mit den leitenden Instanzen der Histadruth sind, zu überlassen, sondern zu einem allgemeinem Referendum zwischen den Mitgliedern der Histadruth Zuflucht zu nehmen, das in nächster Zeit veranstaltet werden und zu entscheiden haben' wird* ob die Londoner Verträge, insbesondere der Vertrag; über die Regulierung der Arbeitsbeziehungen ratifiziert werden soll. Seit Wochen ist die Parteipresse (wie übrigens auch die Presse des Haschomer Hazair) fast ganz der Polemik über diese Frage gewidmet. Unzählige Sitzungen, Konferenzen und Beratungen, sowohl der zentralen Instanzen, als auch der einzelnen Teile der Bewegung, finden immer wieder statt, ohne daß es gelungen wäre, die Meinungsgegensätze innerhalb der Partei zu überwinden oder wenigstens abzuschwächen. Nur zum Teil ist es richtig, in diesem Falle von1 einem Gegensatz zwischen den »Alten« und den »Jungen« zu sprechen. Es mag allerdings sein, daß sich die Mehrheit der »Jasager« aus der alten Garde der Partei rekrutiert, doch darf nicht außer Acht gelassen werden, daß auch die geistigen Führer der »Neinsager« aus demselben Lager kommen, wie übrigens zwischen den Jasagern auch viele junge Arbeiter (z. B. ein großer Teil der Bewegung der »Gordonia«) zu finden ist. Die Beweggründe der schweren Krise, die die jüdische Arbeiterbewegung Palästinas gegenwärtig durchmacht, liegen also viel zu tief, um durch äußerliche Merkmale charakterisiert oder gar erklärt werden zu können. Versuchen wir es nun, nachdem wir den gesellschaftlichen Hintergrund der Ereignisse skizziert haben, die Hauptargumente sowohl der Nein-, als auch der Jasager wiederzugeben. Es sei zunächst darauf hingewiesen, daß es auf beiden Seiten radikale Flügel gibt. Bei den Neinsagern sind es diejenigen, die jedweden Gedaniken von Unterhandlungen mit den Revisionisten ablehnen, ohne in die Einzelheiten der abgeschlossenen Verträge eingehen zu wollen. Auch diese Gruppe, zu der außer dem Haschomer Hazair und den linken Poale-Zion noch manche (nicht besonders große) Teile der Jüdischen Arbeiterpartei Palästinas gehören, ist keineswegs homogen; neben den entschiedenen prinzipiellen Neinsagern gibt es auch solche, die die bisherigen Verträge nur deshalb