Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 3 (März 1935)
- Article
- Arbeiterbewegung. Von Dr. A.T.
- Date
- 1935-03-01
- Page
- Seite 147 (sequence 3)
- Language
- German
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vorgehoben wurde und nun stand man bereits vor einem Vertrag, der nicht bloß die Kluft überbrückte, sondern sogar gewisse Formen des Zusammenwirkens voraussah. Im Zusammenhang damit steht auch die scharfe Wendung in der Einstellung der Arbeiterschaft, die dieser Vertrag zur Fokje haben müßte und die in derartiger Eile gar nicht zu bewirken war. Jahrelang und immer heftiger wurden die Gegensätze stimuliert; so konnte also der entgegengesetzte Kurs auch bei normalen Bedingungen nicht ohne weiteres eingestellt werden, um wie viel schwerer mußte sich aber die Sachlage in diesem Falle komplizieren, wo auf Schritt und Tritt die weltanschaulichen Gesichtspunkte die nationalen kreuzen. Denn — und dies sei als das dritte, wohl am meisten in die Wagschale fallende Moment hervorgehoben — der Kampf mit dem Revisionismus bedeutete insbesondere in den letzten Jahren nicht bloß eine Auseinandersetzung innerhalb der zionistischen -Bewegung und auf dem Boden der palästinensischen Wirklichkeit, wiewohl auch da die Gegensätze immer schärfer hervortraten, sondern nahm, und zwar auf beiden Seiten den Charakter eines politischen Kampfes an, wie er im gegenwärtigen Augenblick in so vielen Ländern ausgetragen wird. Mag* die Gleichstellung des Revisionismus mit dem Faschismus richtig sein oder nicht, die in der Histadruth organisierte Arbeiterschaft sieht in1 ihrer überwiegenden Majorität im Revisionismus eine faschistische Bewegung und vermag sich nur sehr schwer dazu entschließen, einen Verhandlungsweg mit dieser Bewegung einzuschlagen, der, wenn auch nur entfernt, einem prinzipiellen Kompromiß ähnlich sein könnte. Es gesellt sich noch hinzu die Vorstellung von der Gemeinschädlichkeit des Revisionismus im Aufbauprozeß des Landes, die im Verhandlungsweg eher gestärkt als abgeschafft werden könne. Der einzigartige heftige Widerstand gegen die Londoner Verhandlungen beschränkte sich diesmal nicht auf bestimmte Gruppen innerhalb der Histadruth. Wohl haben die beiden radikalen Flügel des Gewerkschaftsverbandes, die linken Poale-Zion und' der Haschomer Hazair von aller Anfang an einen leidenschaftlichen Kampf gegen diese Verhandlungen und deren Ergebnisse proklamiert und führen ihn verbittert mit der Anwendung aller erlaubten, zum Teil auch unerlaubten Mittel bis zum heutigen Tage. Übrigens ist die Stellung der beiden Gruppen nicht in einen Topf zu werfen. Für die linken Poale-Zion bedeutet der »Kampf gegen London« einen integralen Bestandteil ihres Klassenkampfprogiramms und ihrer antifaschistischen Aktion, die sie mehr oder weniger unbekümmert um die realen Aufbauinteressen im Lande führen. In dem Manifest, das vor einigen Tagen von der »Klassenopposition innerhalb der Histadruth« (einer vereinigten Gruppe von linken Poale-Zion, einem Bruchteil der aus Deutschland ein^ gewanderten »marxistischen« Arbeiter und sonstigen »Unparteiischen«, die jedoch tatsächlich von den linken Poale-Zion geleitet werden) veröffentlicht wurde, wird bloß der allgemein-geselischaftliche Charakter der Ereignisse hervorgehoben und die Führer der Histadruth werden des Verrats an den Klasseninteressen1 des Proletariats bezichtigt. In vielen Beziehungen anders gestaltet, wenn auch inhaltlich nicht weniger scharf, ist die Stellung des Haschomer Hazair. Auch hier wird allerdings der faschistische Charakter des Revisionismus immer wieder hervorgehoben und als einer der Hauptbeweggründe des Kampfes gegen die Londoner Verhandlungen hingestellt. Doch ist diese Einstellung auf die integralste Art und Weise mit dem Pionierwerk dieser Jugendorganisation verbunden, die heute einen der Vorposten im Kampf für die jüdische Lohnarbeit in den Kolonien und in der landwirtschaftlichen Siedlungsarbeit darstellt. Darüber hinaus unterstreicht jedoch der Haschomer Hazair in dieser Frage seinen Zusammenhang mit dem fortschrittlichen Teil des Allgemeinen Zionismus. Ist ja einer der Hauptvorwür-fe, der den Initiatoren der Londoner Verträge gemacht wird, daß man sich vor Abschluß der Verträge mit jenem Teil des Zionismus nicht verständigt hat,