Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1935)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1935-02-01
- Page
- Seite 110 (sequence 2)
- Language
- German
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lungsgenossen in Palästina in ideologischer Beziehung ein ganz anderes Menschenmaterial dar als der mitteleuropäische Kleinbauer, Land- und Industriearbeiter. Der soziale und nationale Idealismus, der sie miteinander nach Palästina geführt hat, und ihre enge persönliche Verbundenheit waren und sind weit stärkere Triebfedern für ihre Arbeit und ihr genossenschaftliches Zusammenleben als jeder kapitalistische oder halbkapitalistische Ansporn es sein könnte. Sie brauchen daher keinen autoritativ eingesetzten Führer und sowohl die Beibehaltung von Individualwirtschaften als auch die Abstufung der Ertragsbeteiligung nach der Leistung — anstatt nach dem Bedürfnisse — erscheint gerade den besten unter ihnen als eine peinliche Erinnerung an das verhaßte Sozialsystem, dem sie sich doch gerade entziehen wollten. Es war unter diesen Umständen trotz des besten Wullens auf beiden Seiten nur selbstverständlich, daß aus Merchawja weder ein palästinensisches »Eden« noch ein »Bärenklau«, sondern eine Kwuzah geworden ist. Daß die damalige Einstellung nicht verschwunden und noch heute bei einem großen Teile der Chaluzim lebendig ist, beweist die wirtschaftliche und zahlenmäßige Entwicklung, welche die Kwuzoths gerade in den letzten Jahren genommen haben. Dagegen haben sich aber in derselben Zeit zahlreiche individualistische Siedlungsgenossenschaften Palästinas in sehr deutlicher Weise dem Oppenheimerschen Ideale genähert, indem die geeigneten Produktionszweige — etwa die Getreide- und Milchwirtschaft — immer stärker kollektivisiert werden. Ganz in der Nähe von Merchawja gibt N a h a 1 a 1 ein Beispiel dafür. Das vorliegende Werk Ludwig Oppenheimers behandelt die landwirtschaftliche Siedlungsgenossenschaft nicht vom Gesichtspunkte der allgemeinen sozialen Frage. Es beschränkt sich vielmehr — vor allem im ersten Hauptabschnitte — darauf, die von Franz O. vorgezeichnete Konstruktion in sehr gründlicher und methodischer Weise für die Zwecke der Innenkolonisation zu überprüfen und auszuarbeiten. Dabei hebt der Verf. — dem Zuge der Zeit folgend — die Bedeutung des Führers für den genossenschaftlichen Betrieb besonders hervor und die Heranbildung einer neuen mit sachlicher Autorität ausgestatteten Führergeneration erscheint ihm als eine der wichtigsten Voraussetzungen für jede erfolgreiche Siedlungspolitik. Die auf Deutschland und andere Länder mit Großgrundbesitz zugeschnittene Beweisführung kommt naturgemäß für die Praxis der palästinensischen Kolonisation, für die völlig andere wirtschaftliche, soziale und politische Voraussetzungen vorliegen, ebensowenig in Betracht, wie der im zweiten Hauptabschnitte durchgeführte Nachweis, daß innerhalb einer genossenschaftlichen Organisation bäuerlicher Wirtschaften die großbetriebliche Produktion auf einzelnen geeigneten Gebieten mit der Erhaltung bäuerlicher Wesensart durchaus vereinbar ist. Dagegen sind aber gerade für das Kolonisationswerk Palästinas die Ausführungen des Verfassers über das Wesen kollektivistischer W irtschaftsauffassung (im Gegensatze zu genossenschaftlicher) über die genossenschaftliche Arbeitsverfassung, insbesondere über genossenschaftliche Führung, Mitarbeit, Ertragsverteilung und Eigentumsbeteiligung, sowie über die schon erwähnte Führerfrage von bedeuten-