Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1935)
- Article
- Direktor Agr. Wilkansky über die Aussichten der Landwirtschaft [Nachricht]
- Date
- 1935-02-01
- Page
- Seite 102 (sequence 3)
- Language
- German
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sich durch langjährige erfolgreiche Forschungen der Versuchsstation herausgestellt, daß neuerworbener, noch unikultivierter schwerer Boden für die ersten Kulturjahre erst extensiv als »dry farming« und mit Gründüngung zu bearbeiten ist, ehe an die Intensivierung herangegangen wird. In der Regel freilich stehen den jüdischen Kolonien gar nicht so große für den Getreidebau geeignete Flächen zur Verfügung. Die jüdischen Kleinbetriebe können aber vom Getreidebau nicht existieren. Die Zitruswirtschaft. Bei der Zitrusfrucht handelt es sich um ein qualitatives Monopolprodukt, das in außerordentlicher Weise weltmarktfähigi und daher unter großzügigeren Perspektiven zu betrachten ist. Wilkansky sieht die Absatzmöglichkeiten als stark erweiterungsfähig an, wenn auch mit steigenden Exportmengen die Preise und damit die Reinerträge sich beträchtlich reduzieren dürften, so daß auf die heutigen Bodenwerte starke Abschreibungen vorzunehmen sein werden. Doch abgesehen von den Abschreibungen ist in diesem Zusammenhang auf die folgende Eigentümlichkeit der Kapitalsanlagen im Zitrusanbau aufmerksam zu machen. Das jüdische Privatkapital, das m Palästina arbeiten will, wird in «beträchtlichem Umfange der Zitruswirtschaft zugeführt, da vorläufig keine genügenden anderen Kapitalsanlagemöglichkeiteri in der Landwirtschaft bestehen. Wenn hiebei Überpreise gezahlt werden, so wird das Geld zumindest für die Dauer der Weltagrarkrise immer noch rentabler angelegt sein als in der gesamten übrigen Landwirtschaft. Betriebskalkulatorisch gesehen, wäre es unter diesen Umständen trotzdem das richtigste, statt der tatsächlich gezahlten Überpreise Normalpreise als Anlagekapital in die Aufwands- und Kapitalrechnung einzusetzen und den überschießenden Betrag als endgültigen Verlust abzubuchen, der wie ein Verlust beim Transfer zu betrachten wäre. Die wichtigste Zukunftsaufgabe: Kultivierung von Monopolprodukten. Da Palästina ein .Land mit einer städtischen Konsumentenschicht von nur einigen Hunderttausend Menschen ist, sind für die agrarische Produktion nur beschränkte Absatz- und daher auch Produktionsmöglichkeiten gegeben. Mit Butter, Eiern und anderen Produkten, für die Palästina über keine monopolartigen Vorbedingungen verfügt, wird Palästina mit den Massenproduktionsländern auf dem Weltmarkt kaum konkurrieren können. Es. muß sich daher in Zukunft darum 'handeln, auf palästinensischem Boden Moncpolprodukte wie die Zitrusfrucht zu züchten und zu kultivieren, die auf dem Weltmarkt Vorzugspositionen innehaben und daher in großzügigerer Weise für den Export angebaut werden können. Eine der wichtigsten agrarischen Forschungsaufgaben besteht daher darin, derartige Monopolprodukte herauszufinden und zu kultivieren, auf denen eventuell auch eine verarbeitende Industrie aufgebaut werden kann. Die gegenwärtige Lage der jüdischen Landwirtschaft und ihre Entwicklungsperspektiven. Die Erträgnisse der jüdischen Kolonien beruhen im wesentlichen auf dem Verkauf von tierischen Veredlungsprodukten, wie Milch, Butter, Eier, Gemüse und Früchten, insbesondere Zitrusfrüchten. Da diese Produkte bislang nur in relativ geringen Mengen produziert wurden, konnten recht hohe Preise erzielt werden. Mit der Erweiterung der landwirtschaftlichen Siedlungsbasis und zunehmenden Intensivproduktion muß jedoch damit gerechnet werden, daß sich das Angebot erheblich steigert und der Preisstand entsprechend herabgedrückt wird. Auch ist auf die Dauer auf diesen Gebieten mit einer stärkeren arabischen Konkurrenzproduktion zu rechnen. Auch sieht Wilkansky in einem übermäßig hohen Zollschutz, der die Lebensmittelpreise allzu stark über das Weltmarktniveau und das Niveau der Nachbarländer erhebt, keine erstrebenswerte Lösung.