Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1935)
- Article
- Stadt und Land in Palästina
- Date
- 1935-02-01
- Page
- Seite 62 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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großer Teil von der eigenen Landwirtschaft gedeckt werden könnte. Das gilt bekanntlich nicht nur von Getreide, sondern auch von Kartoffeln, Gemüse, Milch und Milchprodukten, Eiern, Fleisch und Obst. Die Entwicklung der gemischten Landwirtschaft ist aber auch im dringendsten Interesse der Industrie gelegen, für die sie den inneren Markt zu bilden hat. Diese Notwendigkeit tritt augenblicklich angesichts des starken Bedarfes, den die fortdauernde Einwanderung, die Bautätigkeit und die sonstigen Investitionen erzeugen, sowie angesichts der großen Konsumkraft der städtischen Massen zurück. Sie wird sich aber in dem Augenblicke herausstellen, in dem die momentane Hochflut der städtischen Prosperität abflaut. 4* Berufsgliederung in den Städten. Zu diesem Abflauen ist aber nicht einmal ein Nachlassen der Einwanderung notwendig, sondern auch ohne ein solches Abschneiden des bisherigen Auftriebes muß über kurz oder lang der Zeitpunkt kommen, in dem sich in den Städten eine entschieden rückläufige Konjunkturbewegung bemerkbar macht. Denn die selb eil Momente, welche für die Veränderung der Bevölkerungsverteilung zwischen Stadt und Land maßgebend waren, haben in den Städten selbst zu einem außerordentlich starken Ansteigen der unproduktiven Berufe —- insbesondere des Groß- und Kleinhandels, der persönlichen Dienstleistungen, der freien und geistigen Berufe — gegenüber den produktiven geführt. Leider lassen sich für diese Feststellung exakte ziffernmäßige Beweise nicht leicht erbringen. Das liegt vor allem in der Mangelhaftigkeit der Berufsstatistik, die naturgemäß weder der gewaltigen Einwanderung nachkommen, noch auch die massenhaften Berufsumstellungen, die ja gerade bei Palästina ein wesentlicher Bestandteil der wirtschaftlichen Neubildung sind, genügend rasch erfassen kann. Immerhin ergibt sich aus Erhebungen der Jewish Agency, daß Ende 1933 im gesamten Bereiche der Verarbeitung, also in Gewerbe und Industrie zusammen, rund 20.000 Juden beschäftigt waren (gegenüber ungefähr der Hälfte im Jahre 1930); eine zweite, im September 1934 vorgenommene Erhebung ergab, daß die gesamte Industrie Palästinas rund 14.000 Arbeiter aufwies. Diese Ziffern beweisen jedenfalls, daß der Anteil der gewerblichen industriellen Bevölkerung im Verhältnisse zu der Gesamtzahl der Stadtbewohner sehr bescheiden ist. Dabei ist es offensichtlich, daß die palästinensische Industrie auch bei ihrem heutigen Stande noch zahlreiche qualifizierte Arbeitskräfte aufnehmen könnte. Bei der vorhin erwähnten Erhebung der J. A. vom September 1934 erklärten von 1077 erfaßten Unternehmungen nicht