Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1935)
- Article
- Stadt und Land in Palästina
- Date
- 1935-02-01
- Page
- Seite 63 (sequence 7)
- Language
- German
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weniger als 621, daß sie Mangel an qualifizierten Arbeitskräften haben und solche gerne einstellen würden. Dagegen sind aber — wie jeder noch so flüchtige Augenschein zeigt — in allen drei jüdischen Großstädten Palästinas die »Z wischenberufe« verhältnismäßig weit stärker vertreten als die produktiven und geradezu überfüllt. Das gilt nicht nur von den geistigen und freien Berufen (für welche bloß das bekannte charakteristische Beispiel angeführt sei, daß auf 240 jüdische Einwohner ein Arzt entfällt gegen 500 in Wien und ungefähr 1000 im Gesamtdurchschnitte Österreichs), sondern auch vom Groß- und Kleinhandel, in dem schon jetzt die Konkurrenz so groß ist, daß — besonders angesichts der gewaltigen Mietenbelastung — von einer gesunden Rentabilität wohl kaum mehr gesprochen werden kann. Ebenso wächst noch immer die ohnehin schon gewaltige Zahl der Unternehmungen auf dem Gebiete des Gastgewerbes und der Fremdenbeherbergung sowie für persönliehe Dienstleistungen und mit ihnen die Zahl der hier beschäftigten Personen, Vorläufig findet dadurch eine große Zahl der Einwanderer ihr Unterkommen. Aber es ist eine ernste und allgemein bekannte Sorge aller mit den Verhältnissen vertrauter Faktoren, was mit diesen zahlreichen Existenzen geschehen soll, wenn einmal diese Konjunktur — sei es durch Nachlassen des Nachschubes, sei es durch Übersättigung — abreißt. 5* Industriepolitik durch Siedlung und Umschulung. Unter solchen Umständen wäre der städtischen Bevölkerung wahrscheinlich nicht einmal ein guter Dienst erwiesen, wenn es gelingen würde, eine massenhafte Vermehrung der Einwanderungszertifikate für industrielle Arbeiter durchzusetzen. Es erscheint vielmehr notwendig, alle Anstrengungen zu machen, um große Teile dieser städtischen Massen in die produktiven Berufe überzuleiten und sie einerseits der Landwirtschaft, anderseits aber der Industrie zuzuführen. Ebenso notwendig ist es aber auch, mit Rücksicht auf die Gefahr einer Krise, Maßnahmen zu ihrer Milderung zu treffen. Das kann glücklicherweise zu einem Teil durch die gleichen Vorkehrungen geschehen, die auch im Interesse der Landwirtschaft geboten erscheinen, nämlich durch die Erleichterung der Ansied- 1 u n g auf dem Lande und durch Schaffung von Kleinwirtschaften oder Nebenerwerbs-Siedlungen für die Arbeiterschaft (einschließlich der Angestellten). Solche Nebenerwerbs-Siedlungen (»Subsistence homesteads«) — wie sie bereits in ausgezeichneter Weise, aber in noch unzulänglichem Maße