Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1935)
- Article
- Stadt und Land in Palästina
- Date
- 1935-02-01
- Page
- Seite 60 (sequence 4)
- Language
- German
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pelte, nämlich auf 160.000 vermehrt hat, ist die Zahl der jüdischen unselbständigen Landarbeiter mit 4500 unverändert geblieben. Elijahu D ob k i n, der Leiter der Einwanderungsabteilung der Histadruth, wies unlängst in einer Pressekonferenz darauf hin, daß im Jahre 1932 ein jüdischer Arbeiter auf 10 Dunam jüdischen Pflanzungsboden entfiel, während zu Ende des Vorjahres bereits 35 Dunam auf einen jüdischen Landarbeiter kamen. Selbstverständlich muß der gegenwärtige und künftige Fehlbedarf durch arabische Arbeiter gedeckt werden und so besteht die dringende Gefahr, daß der schon jetzt deutlich merkbare Prozeß der Arabisierung der j ü d i s c h e n Kolonien, der an einzelnen Plätzen schon zur Bildung einer starken arabischen Mehrheit geführt hat, sich noch weiter und in verstärktem Maße fortsetzt. Das bedeutet unbestreitbar eine ernsthafte Bedrohung des nationalen jüdischen Besitzstandes in Palästina, gegen welche auch die Tatsache, daß der Kolonialboden im jüdischen Eigentum steht, kein Schutz bieten kann. Denn wie alle geschichtlichen Erfahrungen lehren, ist nationaler Besitzstand weder von der Stadt aus zu erobern und zu erhalten, noch auch durch die rechtlichen Besitzverhältnisse am Boden, sondern immer nur durch jene, welche auf dem landwirtschaftlichen Boden wohnen und ihn tatsächlich bearbeiten. Wenn es irgend einmal zu einer Aufteilung des politischen Machteinflusses zwischen den Arabern und den Juden kommt — und das ist wohl die einzig mögliche und auch die einzig richtige Entwicklung — dann wird zweifellos die Zusammenballung großer Massen in den drei Städten und auch das Eigentumsrecht am Boden weit weniger ins Gewicht fallen als die Ausdehnung und Besiedlungsdichtigkeit der jüdischen Landwirtschaft. Das Motiv der Landflucht ist zweifellos in den besseren Verdienstmöglichkeiten zu suchen, die sich gegenwärtig in der Stadt ergeben. Aber es wäre ebenso sinnlos, der jüdischen Landarbeiterschaft den Vorwurf zu machen, daß sie aus materiellen Gründen die Kolonien im Stiche läßt, als es zwecklos wäre, den Kolonisten vorzuhalten, daß sie — ebenfalls aus wirtschaftlichen Erwägungen — in früheren- Zeiten lieber Araber als Juden eingestellt haben. Es handelt sich vielmehr darum, durch richtige wirtschaftspolitische Maßnahmen die Abwanderung in die Stadt für die Landarbeiterschaft überflüssig zu m a chen. Denn in der überwiegenden Mehrheit der Fälle wird das Geld, das in der Stadt lockt, vor allem dazu benötigt, um die notwendigen Mittel für die Erwerbung einer landwirtschaftlichen oder vorstädtfechen Siedler-