Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1935-02-01 · Heft 2 (Februar 1935) · p. Seite 59

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
18 (1935)
Issue
Heft 2 (Februar 1935)
Article
Stadt und Land in Palästina
Date
1935-02-01
Page
Seite 59 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2379786-2379926-2379929-2403491--19434-2403667
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Rumänien, die das weitaus größte Kontingent der Einwanderer stellen, bringen es mit sich, daß die Zahl und der Anteil der Kapitalisten immer mehr anwächst. Noch im Durchschnitt der Jahre 1929—1931 verhält sich innerhalb der Einwanderung die Zahl der Arbeiter zu jener der Kapitalisten wie 5:1, im Durchschnitte des Jahres 1934 dagegen nicht einmal mehr wie 3:1. Dabei wächst in beiden Gruppen der Anteil jener, die sich von vornherein den Städten zuwenden. Bei den Kapitalisten liegt der Grund darin, daß es sich um Menschen in mittleren und höheren Jahrgängen handelt, bei denen weder ihre bisherige berufliche Tätigkeit, noch auch ein ideologischer Grund für die Ansiedlung auf dem Lande spricht, während sie in den Städten nicht nur jene Lebensmöglichkeit zu finden hoffen, die ihrer bisherigen Existenz verhältnismäßig am nächsten kommt, sondern auch die rascheste und leichteste Sicherung ihrer materiellen Lage. Zudem zieht die Prosperität gerade aus dieser Schichte zahlreiche Menschen an, die nicht aus Notwendigkeit nach Palästina auswandern, sondern in der Hoffnung auf gute Geschäfte und für welche die Städte der einzig gegebene Tummelplatz sind. Aber auch für große Teile der einwandernden Arbeiter stellen die hohen Löhne und die leichteren Verdienstmöglichkeiten der Städte mit ihrer rasenden Bautätigkeit eine weit stärkere Anlockung dar als die landwirtschaftlichen Gebiete. Zweifellos trägt dazu auch der immer wieder beklagte Übelstand bei, daß bei der Auswahl der Zertifikatisten nicht immer mit genügender Sorgfalt und strenger Kontrolle vorgegangen wird, und daß es keine Handhabe gibt, um die jungen Einwanderer wirklich auch jenen Aufgaben zuzuführen, für welche sie eigentlich das Zertifikat erhalten haben. Gewiß ist unter diesen Umständen gegenüber der Mandatsregierung die Forderung am Platze, daß die Zahl der ausgegebenen Zertifikate in ein entsprechendes Verhältnis zu der freien Einwanderung gebracht und auf Grund der vorliegenden Einwanderungsausweise in periodischen Abständen ausgeglichen werde. Als notwendige Ergänzung dazu wäre aber auch eine Reform der inneren Einwanderungspölitik notwendig. 2. Landflucht. Der Prozeß der Verstädterung wird aber auch noch verschärft durch die innere Wanderung, die sich in Palästina vollzieht und die geradezu als Landflucht bezeichnet werden kann. Sie äußert sich in einer starken Abwanderung der in den Kolonien und Pardeßwirtschaften tätigen Landarbeiter in die Stadt; trotzdem sich beispielsweise seit dem Jahre 1932 die Pardeßfläche von 73.000 Dunam auf mehr als das Dop-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.