Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1935)
- Article
- Jugendalijah und Berufserziehung [Nachricht]
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 3)
- Language
- German
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frühere Anwälte oder Aerzte. Gewiß mag es unter den augenblicklichen Verhältnissen sinnvoll erscheinen, den bisherigen Akademiker in einem Schnellkursus für den neuen Beruf anzulernen, damit elE in die Lage versetzt wird, sich und seine Familie wenigstens zunächst einmal über Wasser zu halten. Diese Möglichkeit wird für ihn aber nur solange bestehen, als es an qualifizierten Fachkräften mangelt. Hier hat nun eine intensive Aufklärungsarbeit einzusetzen, die in jedem Umgeschichteten das Verantwortungsbewußtsein weckt, das ihn in seinem eigenen Interesse vre ranlaßt, sich auch dann, wenn er in einem Berufe schon Fuß gefaßt hat, in seiner Freizeit durch Besuch von Fachunterricht weiterzubilden und sich mit den jeweils letzten Errungenschaften seines Berufes vertraut zu machen. Es sei daran erinniert, daß der Simpson-Bericht das Gedeihen der Wirtschaft in Palästina einzig und allein von der Beantwortung der Frage abhängig gemacht hat, wieviel Juden bereit seien, nach Palästina zu kommen und obdiese genügend Kapital und berufliche Erfahrung mitbringen, um Experimente und Mißerfolge, die auf die übrigen, Anlage suchenden Privatkapitalien abschreckend wirken können, zu vermeiden. Wer aber berufliche Erfahrung nicht besitzt, muß sie durch berufliche Schulung erwerben. Es sei auch daran erinnert, daß Palästina bereits im Jahre 19*25 eine ähnliche Immigrationswelle erlebt hat, wie sie sich seit eineinhalb Jahren bemerkbar macht. Da die damalige Alijah sich aus beruflich nicht vorgebildetem Menschenmaterial zusammensetzte und keine berufliche Schulungsmöglichkeit im Lande bestand, war die Folge, daß nach weniger als zwei Jahren Massen berufsloser Existenzen, sogenannter „Luftmenschen", die ihr mitgebrachtes Kapital verzehrt und verloren hatten, das Land verbittert wieder verließen und dieses in eine Wirtschaftskrise geriet, die erst in Jahren schwerster Konsolidierungsarbeit wieder überwunden werden konnte. Erinnert man sich dieses folgenschweren Vorganges, so wird die Notwendigkeit klar, hier Vorkehrungen zu treffen, die letztlich darauf hinauslaufen müssen, die wirtschaftlichen Kräfte des Landes in steter Entwicklung zu fördern und den jüdischen Nachwuchs durch geeignete fachliche Schulung in den Stand zu setzen, sich mühelos durch Höchstleistungen im erwählten Berufszweig eine wirtschaftliche Vormachtstellung zu erobern und zu festigen. Allen verantwortlichen jüdischeis Instanzen sei es daher nochmals gesagt: Soll der jüdische Arbeiter, der Handwerker oder Landwirt, der Kaufmann, soll überhaupt das jüdische Wirtschaftsleben in Erez Israel bei der beginnenden wirtschaftlichen Erschließung des Landes nicht ins Hintertreffen geraten gegenüber der arabischen Konkurrenz, so muß sofort mit dem Aufbau der Anstalten begonnen werden, in denen unsere Jugend das notwendige Rüstzeug erhalten soll, um Palästina nicht nur aufzubauen, sondern um es auch zu einem wirklichen Erez Israel zu machen! Und nun noch ein Wort über die Träger des beruflichen Schulwesens. Da die Fachschule den Jugendlichen Lehre und Gesellenzeit ersetzen muß und da sie den umgeschichteten Erwachsenen das notwendige Rüstzeug zum beruflichen Erwerb geben soll, ist es notwendig, dem Berufsschulwesen eine seiner; Bedeutung entsprechende Stellung einzuräumen. Während das allgemeinbildende 'Schulwesen je nach dem geforderten Erziehungsideal sowie nach religiösen, politischen und sonstigen Gesichtspunkten horizontal gegliedert nebeneinander in den mannigfachsten Schattierungen bestehen kann, gibt es für die Berufsschule nur das eine Ziel, den Nachwuchs an Facharbeitskräften durch