Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1935)
- Article
- Neue Wege städtischer Siedlung in Palästina
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
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Zeit ihres Alters und der möglichen Invalidität zu schaffen. Wenn sie die Zeit der „Prosperity" benützen, um sich ein Haus in einer Siedlung und viel^ leicht noch ein drittes oder viertes Zimmer zu .bauen, so haben sie sich! damit etwas Bleibendes gesichert. Die Frage der Alters- und Invalidenversorgung kann in vollem Umfang natürlich nur durch staatliche Versicherung! gelöst werden. Aber es kann viel Zeit vergehen, bis solch eine staatliche Versicherung in Palästina eingeführt werden wird. Der Arbeiter sorgt sich aber heute und sehr real um seine Zukunft. Das Siedlerhaus und das eine oder' zweite zusätzliche Zimmer, geben ihm nun die Möglichkeit, sich für den Fall von Arbeitslosigkeit, Invalidität und Alter ein nicht unbeträchtliches Nebeneinkommen zu sichern. Natürlich soll ein Weitervermieten von Zimmern in den Siedlungen nur dann erlaubt sein, wenn nicht der einzelne Siedler, sondern die Genossenschaft als Vermieterin auftritt, die Miete festsetzt und den Ertrag den einzelnen Siedlern zuführt. IV. Die Aufhebung des Privateigentums in den Arbeitersiedlungen und die Stathiietrung des genossenschaftlichen Prinzips entspricht nicht nur den Notwendigkeiten der Arbeiterbewegung, sondern auch den realen Verhältnissen. Dadurch ist es von zwei Seiten her innerlich; gerechtfertigt. Nur in verschwindend wenigen Fällen wird der einzelne Arbeiter die Möglichkeit haben, aus eigener Kraft zu einem Platz und einem H'aus zu kommenj, und die wenigen, denen das gelingt, führt gerade dieser Weg meist aus der Arbeiterschaft hinaus. Die weitaus meisten Arbeiterfamilien können nur durch die organisierte Kraft der Arbeiterschaft zu eigenem Boden und Hauls kommen. Die Arbeiter^ Organisation erwirbt dqn Boden — und zwar zu einem Preis, der für deni Arbeiter erschwinglich ist. Sie. bearbeitet die Pläne, verschafft die Baukredite und Hypotihekaranleihen und baut die Siedlungen auf. Gegenüber diesen* Werten, die die Organisation den Siedlern gibt, spielen die 50.— bis 60.— pal.. jRfund keine; wesentliche Rolle, die der Arbeiter aus seinen Ersparnissen investiert. Zumal deshalb nicht, da ihm ja gerade die Kraft der Organisation die Arbeitsbedingungen erkämpft, die ihm überhaupt erst ermöglichen, \Ersparnisse zu machen. Die organisierte Arbeiterschaft ermöglicht dem einzelnen Arbeiter, zu einem eigenen Ha<us zu kommen. Darum ist es absolut; gerechtfertigt, daß dieses Haus Eigentum der Gemeinschaft bleibt und nicht dem Einzelnen gehört. Die Gesamtheit gibt dem einzelnen Siedler das Haus und dem Boden in Nutzung^ ihm und seinem Kindern und Kindeskindern. Sie gibt ihm jede Firiejiheit, dies, für sich und seine Familie zu benutzen, nur die ein© nichit, damit zu spekulieren. Wer spekulieren will, für den ist kein Pljatz in der Arbeitejrgesellschasft und ihren Siedlungen. Es gibt vielleicht Menschen, die glauben, die Moral einer Gesellschaft könne sich nur aus der völligen uneiniges ehr änkten Freiheit des Einzelnen entfalten. Die Arbeiterbewegung ist von einer anderen Grundlage ausgegangen: sie glaubt, daß nicht der Mensch an sich gut oder schlecht ist, sondern, daß erst die Bedingungen ihm schlecht machen. „Nicht die Maus ist der Dieb, sondern da,s Loch!" sagt auch ein talmudisches Wort. Die Arbeiterbewegung will die Bedingungen aufheben, die den Menschen, ver-