Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1935)
- Article
- Neue Wege städtischer Siedlung in Palästina
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
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derbein. Darum stellt sie iijir Siedlungswerk auf soziale Grundlagen, die dem Ethos des ,arbeitenden Palästinas" entsprechen. Die Arbeitersiedlungen sind beute Inseln in der FJufc der wilden Spekulation, diie alle gesunden, ökonomischen Grundlagen des Aufbauwerkes in Palästina zu unterwühlen droht. Sie sind aber auch Elemente jenes Teiles im Aufbau Palästinas, der in Wahrheit die sozialen und nationalen Grundideen des Zionismus verwirklicht. Kultursiedlungen für Palästina. Von Ing. Alexander Vertes, Wien. Vorb. d. Red.: Der Autor, ein bekannter Rationalisierungsfachmann, stellt diesen Vorschlag zur Diskussion und erwartet, daß die mit den speziellen Verhältnissen der Siedlung in Palästina vertrauten Fachleute seine Anwendbarkeit im Lande prüfen werden. I. Der Zweck. Diese Anregung entstand aus folgenden Ueberlegungen: 1. Die in Palästina ankommenden Einwanderer wirken störend auf die Wirtschaft der ansässigen Bevölkerung. In Lebensmitteln und anderen Bedarfsartikeln besteht zwar derzeit auf der ganzen Welt ein großer Ueberschuß; um so peinlicher ist aber die Wohnungsnot besonders dort, wo große Einwanderung und wirtschaftlicher Aufschwung die Nachfrage nach Wohnungen steigern. Bringen die Ankömmlinge Geld mit, dann nehmen sie den Ansässigen Wohnung und Ackerboden weg und verteuern diese durch ihre größere Kaufkraft. Außerdem herrscht heute auf der ganzen Welt die Furcht vor der Arbeitslosigkeit als allgemeine Psychose. Aus subjektiven Gründen verhalten sich zwar die Juden den Zuwandierern gegenüber anders als die Araber; die objektiven Tatsachen bleiben aber deswegen Tatsachen und bei Aufrechterhai tung der ungesunden Zustände würde auch hier bald eine große Eifersucht und Antipathie ausgelöst werden, wie es uniter den Juden Westeuropas gegen die zugewanderten Ostjuden häufig der Fall ist. 2. Die Einwanderer kommen überwiegend in primitivere und ärmlichere Verhältnisse, als sie früher gewöhnt waren. Es ist selbstverständlich, daß der Intel]ektuelle, Fabrikant, Kaufmann, Bankbeamte usw. sich schwer als Farmer oder Hilfsarbeiter zurechtfindet und nur ein großer Zwang kann sie zu solchen] physischen Arbeiten — welche noch dazu nicht nach ihren Bedürfnissen bezahlt werden — verhalten. Es ist selbstverständlich, daß die meisten Einwanderer sich unter diesen Verhältnissen nicht wohl fühlen können und un-t unterbrochen den Wunsch nach einer Aenderung hegen. Sie sind ja nicht aus Sehnsucht ins Land der Verheißung gekommen. Das Elend und die Verfolgungen haben sie hingetrieben! 3. Man muß neue Methoden und Mittel anwenden, damit die Einwanderer in einem ihrer und der heutigen Zeit würdigen Kultur- und Wohlstand leben können und gleichzeitig sollen auf dem vorhandenen Boden mit dem vorhandenen Geld möglichst viel Menschen angesiedelt werden.