Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1935)
- Article
- Neue Wege städtischer Siedlung in Palästina
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
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und Städte hat sich als unvereinbar mit den\ JPlrinzip des uneingeschränkten Privateigentums erwiesen. Die Gefahr, die hier lag, auszuschalten, war die schwerste Aufgabe, die dem Siedlungswerk der Arbeiterschaft gestellt war. B. Die Sicherung des sozialen Charakters des Siiedlungswjesens. I. Das schnelle Wachstum des Siedlungswerkes stellt die jüdische Arbeiterschaft vor eine Fülle neuer Probleme. Das Sieidlungswerk baut sich auf ganz bestimmten sozialen Grundlagen auf, die es tragen und die ihm erst einen eigentlichen Sinn geben. Diese sozialen Grundlagen müssen so stark gemacht* werden, daß sie auch einer Umwelt von sehr andener sozialer Struktur und einer Entwicklung mit wesentlich anderen Tendenzen Widerstand leisten und, den Sinn des Werkes auch für die Zukunft sichern können. Dabei liegt es im W7esen eines solchen Siedlungswerkes begründet, daß jeder Schritt hundert! weitere bestimmt, jedes Jahr der Entwicklung künftige Jahrzehnte, daß jeder Vorgang zu einem Präzedenz wird. Und weiter: Schicksal und Entwicklung der Siedlung hängen nicht so sehr vom Bau der Häuser ab, als vielmehr von den Siedlern, die das ganze Werk erst zu einem lebenden Organismus machen." IL Welches sind nun die sozialen Probleme in den Arbeitersiedlungen und wie können sie gelöst werden? Eines der schwersten Probleme für die Arbeiterschaft ergibt sich aus der gegenläufigen Entwicklung des Wohnstandards in den Arbeitersiedlungen auf der einen und in den städtischen Mietswohnungen tauf der arideren Seite. Während dort die Wohnungsnot immer furchtbarer wird, die Wohnenge wächst, die Mieten steigen und dib Zahl der Elenidwqhnuiijgen immer größer wird, hebt sich der Wohnstand in den Siedlungen immer mehr und mehr. Während in den Mietwohnungen, durch die steigenden Mietejn, immer mehr Arbeiterfamilien sich mit einem einzigen Zimmer begnügen müssen können in den Siedlungen die Siedler, die zunächst miit Zwei-Zimmer-Wohnungen begonnen haben, durch ihre Ersparnisse sehr bald zum Bau eines dritten Zimmers 'kommen. So differenziert das Siedlungswerk die Lebensbedingungen von Arbeitern, die sonst die gleichen Arbeitsbedingungen habein. Aber mit dieser Entwicklung ist eine doppelte Gefahr verbunden: Einerseits wird idie Arbeiter^ schaft in zwei Schichten aufgespalten, detren Lebenisstandard immer weiter auseiinandforrückt. Und anderseits verstärken sich bei den Siedlern -die kleinbürgerlichen Tendenzen nach Besitz, die sie aus der Arbeiterklasse herauszuführen drohen. Diese Gefahr ist um so größer, als die Wertsteigerung von Hiaiuls und Bodein, die gerade durch die intensive SiödLungstätigkeit der Arbeiterorganisation herbeigeführt wird, eine enorme ist. Und wenn ♦ einem Siedler in den Arbeitersiedlungen in Nord-Tel-Aviv, dqv von der Arbeiter- Organisation einen Siedlungsplatz für 50.— pa(l. Pfund erhalten hat, für diesen Platz plötzlich 1000.—r pal. Pfund geboten werden, so liegt darin eine so ungeheuere Versuchung, daß nur wenige die moralische Kraft haben werden, ihr zu wiederstehen. Und diese Versuchung ist doppelt groß für Arbeiter, die sich ihr Leben lang haben schwer plagen müssen und die