Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1935)
- Article
- Neue Wege städtischer Siedlung in Palästina
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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3. durch Ausschaltung des spekulativen Weiterverkaufs von Häusern und Plätzen in den Siedlungen. Die großzügige Planung der Siedlung, die Festlegung von Wohn^, Arbeits¬ und Ruhezonen in ihrem organischen Zusammenhang, sow?ie der Entwurf des. Verkehrssystems, ist die erste Voraussetzung für die gesunde »Entwicklung einer Siedlung. Aber der „statische" Plan allein genügt; nicht. Gar zu viel© Siedlungen in Palästina sind durch allzu großzügige Planung, in ihrer Entwicklung gehemmt oder sogar zugrunde gerichtet worden. Entscheidend wichtig ist, daß zu der „statischein" Planung die '„dynamische" hinzutritt, durch die die Reihenfolge im Aufbau der Siedlung festgelegt wird. Das Wird möglich gemacht, durch das System des „exzentrischen", fortlaufenden Baues. Das bisher in Palästina übliche System steht dazu in krassem Gegensatz Bisher wurde eine Bodenfläche erworben, parzelliert und die Parzelle*« ohne Rücksicht auf den Baubeginn verlost oder freihändig verkauft. Eö gibt große Siedlungen, deren Parzellen an Besitzer in aller Herren Län&v3tr, von' Paris bis San Franzisko verstreut sind. Damit ist der Bau der Siedlung ungeheuer erschwert, wenn nicht unmöglich gemacht. Wenn. überhaupt gebaut werlden kann, so stehen die Häuser zerstreit uinid verzettelt auf weilten leeren, Flächen. Der Straßenbau wird dadurch so teuer, daß er meist gänzlich unterbleiben mujß. Aussichtsreiche Siedlungen, wie Afuleh odeir „Beit-Wegan" bei Ja,ffa, sind dadurch in ihrer ganzen Entwicklung lahmgelegt :worden. In den Arbeitersiedlungen dagegen erwirbt sich der Siedler nur das Recht auf einen Platz; aber erst bei Baubeginn enhält er den Platz selbst, und zwar den ersten noch unbebauten. Dadurch reiht sich iHaus an Haus, niemals bleibe zwischen* dea Häusern ein leerer Platz uöd es ist möglich, den Straßenbau, sowie Wasser- und Lichtleitungen mit dem Häuserbau gleichzeitig auszuführen, wodurch die Kosten dafür enorm verbilligt werden. Da sich weiter die Siödlung, von einam Kern ausgehend, exzentrisch entwickelt und sich sozusagen Jahresring um Jahresring legt, so kann sie in jedem Entwicklungsabschnitt als organische Einheit betrachtet und mit den nötigen, ihrem jeweiligen Umfang entsprechenden, öffentlichen Einrichtungen ausgestattet werden. Dieses System erklärt das schnelle, gesunde Wachstum der Arbeitersiedlungen. Und noch eine dritte Möglichkeit wird hiedurch geschaffen. Der Kern der Siedlungen wird aus Einfamilienhäusern errichtet. Zum Rande fortschreitend verdichtet sich cfee Siedlung, bis die Randbeb auurag < selbst mit kooperativen Wohnblocks mit ihren tdreigescliossigen Häusern erfolgt. — Die organische Entwicklung der Siedlung, kann aber nicht nur während des Aufbaues gestört wrerden, sondern auch «ach dem Bäu. Wer gesehen hat, wie Tel-Aviv oder Hiadar Hakarmel, als Gartenstädte geplant und angelegt, sich in eine Steinwüste verwandelten, wie Einfamilienhäuser niedergerissen und durch Mietkasernen ersetzt wurden, wie sich die Mietkasernen in Lädeni uimwaindelten, wie sich halbländliche Siedlungen, wie Ramath Gan oder Bnjei Brak oder sogar rein landwirtschaftliche Kolonien, wie Petach-Tikvah plötzlich mit vielstöekigen Mietskästen füllen, de* weiß welche Gefahren hier lauern. Es ist die Gefahr des spekulativen Weiterverkaufs von Plätzen und Häusern, die gerade durch den Bau und die Wertsteigerung angeregt wird. Diese Gefahr kann nicht überwunden werden, solange das unbeschränkte Eigentum jederzeit den Weiterverkauf, zu! welchem Preise immer, zu welchem Zweck immer» und an wem immer, gestattet. Die organische Entwicklung der Siedlungen