Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1935)
- Article
- Neue Wege städtischer Siedlung in Palästina
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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von Not-" und Elendwohnungen, die nicht nur die Gesundheit ihrer Bewohner sondern auch die ganze Umgebungschwer gefährden. Die furchtbare Wohnungsnot fordert eine Lösung. Man hat dies 3 Lösung von Seiten des privaten Wohnungsbaues erwartet, der durch die hohe Verzinsung des in den Häusern investierten Kapitals angeregt — eine verstärkte» Bautätigkeit entfallen sollte. Aber wenn auch die Häuser die in Tel-Aviv und Haifa in den früheren Jahren erbaut worden sind 15 bis 200/0 Rente ergeben, so ist doch die Neubautätigkeit durch die unerhörten Bodenpreise bedroht, die in den letzten zwei Jahren durch eine völlig wahnsinnige, durch keinerlei ökonomische Momente begründete Spekulation, um 1000 bis 20000/0 in die Höhe getrieben worden sind.*) Soweit das private Kapital aber trotzdem baut, beschränkt es sich auf die Erstellung von größeren und luxuriösen Wöhnungen, während es fast völlig1 die Zwei-Zimmer-Wohnung vernachlässigt, die die Arbeiterschaft und der kleine Mittelstand so dringend braucht. Auch die Lösung die man in allen zivilisierten L'ändern für die Wohnungsfrage sucht: Wohnungsbau der öffentlichen Hand, ist in Palästina nicht zu emhoffen. Zwar könnte die Regierung durch Hergabe ' von (Staatsländereien und durch Schaffung eines Gar antief onds, mit geringen Mitteln, eine ausgedehnte Wohnbautätigkeit auslösen. Aber was kann man von einer Regierung: erwarten, deren Kassen dank der jüdischen Einwanderung von Gold überfließen, und die dabei ihre primitivsten Verpflichtungen gegenüber diese Einwanderung vernachlässigt. Oder was kann man von der Stadtverwaltung von Tel-Aviv erwarten, die über die Wohnungsfrage bestenfalls dann und wann spricht, aber nie das geringste zu ihrer Lösung getan hat. Der Arbeiterschaft, die sich aus den unerträglichen Bedingungen der Wohnungsnot und des Mietfrohns befreien wollte, blieb also nur der einzige Weg: der der organisierten Selbsthilfe. Sie hat ihn beschritten und wir haben gesehen, mit welch großem Erfolg. Was hat nun diesen Erfolg herbeigeführt? Der Arbeiter hat einen guten Instinkt für die wirtschaftliche Entwicklung. Er weiß, daß in der kapitalistischen Wirtschaftsordnung Konjunktur und Krisen einander ablösen3 und daß er auch in Palästina eines Tages wieder vor Krise und Arbeitslosigkeit stehen wird Und darum versucht er, die Möglichkeiten, die die Konjunktur; ihm gibt auszunützen, um besser für die Krise gerüstet zu sein. Und besser gerüstet sein bedeutet vor allem: ein eigenes Häuschen und eine kleine Gartenwirtschaft zu haben. Hinzu kommt der Wille der Arbeiterschaft, sich Lebensformen zu schaffen, die ihrem Geist mehr entsprechen, als die heutigen städtische Lehensart. Die Arbeiterorganisation hat nun den Sparwillen und die Sparkraft, durch die sich der einzelne Arbeiter aus seiner unerträgi^chen, Situation befreien wollte, zusammengefaßt und organisiert und planmäßig in Siedlungsbau umgesetzt. . Beim Aufbau ihres Siedlungswerkes hat die Arbeiterorganisation keine Hilfe oder Unterstützung von außen gefunden, weder von der Regierung, noch von den Munizipalitäten, noch auch von der „Jewish Agency". Um so wichtiger war der Anteil des Niationalfonds an diesem Werk. Ohine seine Hilfe *) Im Zentrum von Tel-Aviv, wo die Preise schon immer ungewöhnlich hoch waren, war die Steigerung nicht so groß.