Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1935)
- Article
- Neue Wege städtischer Siedlung in Palästina
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2379786-2379926-2379928-2403139--19177-2403340- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
gebaut wird die Siedlung fast 6000 Familien umfassen. Eine ähnliche Großsiedlung entsteht im Süden von Tel-Aviv, bei Mikweh-Israel. Die Strasse}, die den Siedlungsplatz mit Tel-Aviv verbindet, ist soeben fertiggestellt worden und ermöglicht vom Stadtzentrum aus das neue Gelände in 10 Minuten zu erreichen. Im FrühjaSor begixlnt der Bau der ersten 200 Häuser, für die die nötigen Mittel bereits gesichert sind. Auch diese Siedlung wird' mindestens 3000 Familien umfassen. Eine besondere Form stellen die kooperativen Wohnblocks dar, die in dert Zentren der Städte errichtet und hauptsächlich von Beamten und Angestellten» bevorzugt werden. Der größte dieser Blocks ist soeben i in der Fris-dhmiann»- Street in Tel-Aviv fertiggestellt worden. Er enthält ' 130 Wohnungen mit nahezu 500 Zimmern und Veranden, Versammlungs- und Sportsäle, kooperative Läde/n usw. und ist mit einem Kostenaufwand von über 60.000 pal. Pfund •erbaut worden. (Siehe die Abbildung auf Seite 5.) IL Die schnelle Entwicklung des Siedlungswerkes der Arbeiter-Organisation Palästinas ist auf das Zusammenwirken von drei Faktoren izurückzuführen; 1. auf die furchtbare Wohnungsnot in den Städten Palästinas, die den Arbeiter zwingt, um jeden Preis einen Ausweg zu suchen; 2. iden Wüllen der Arbeiterschaft sidh neue Lebensformen zu schaffen; 3. die straffe, planmäßige Leitung der Siedlungstätig|keit. Die Wohnungsnot hat sich im Laufe der letzten zwei Jahre außerordentlich verschärft. Die Wohnbautätigkeit, so stark sie auch ist, fällt immer mehr hinter den Bevölkerungszuwachs zurück; das Defizit an verfügbaren Wöhningen wird immer größer. Die Bevölkerung Tel-Avivs ist zum Beispiel 1931/33 um 36o/o gewachsen, die Zahl der Zimmer aber nur um 28o/o. Der Wohnungsmangel führt uns einerseits zu einer unerträglich wachsenden Wohn»-* ■dichte und anderseits zu einer noch unerträglicheren Mietsteigerung. Die Wohndichte in Tel-Aviv ist von 1932 bis heute von unter 2 Personen pro Zimmer auf 21/2 und in den meisten Teilen von Tel-Aviv auf tatsächlich 3 gestiegen, d. h. auf mehr als das doppelte der Wohndichte in den» deutschen, Großstädten. Die Miete ist gleichzeitig von l1/^ bis l1/2 pal. Pfund pro Zimmer auf 21/2 bis 3 pal. Pfund gestiegen, also um 100o/o. Dias Mieterschutzgesetz hat zwar der wildesten Preistreiberei auf dem Wohnungsmarkt <eine Grenze» gesetzt. Aber die im Gesetz aufgestellte Höchstmtiete von 21/2 pal. Pfund bei Grund- und 3.— pal. Pfund bei Aftermiete ist zur Norm geworden, und diese Norm ist untragbar, da die Löhne nicht entfernt in dem Maße gestiegen feind, wie die Mieten. Die Löhne aßer städtischen Arbeiter sind im Ljaufe der letzten zwei Jahre um durchschriittlich 20 o/o gestiegen, die Löhne der von der Konjunktur am meisten begünstigten Baufacharbeiter um 50 bis 60o/o. 75o/o laller Arbeiter verdienen auch heute weniger als ll.— p#.l Pfund monatlich. Um in einer normalen Zweizimmerwohnung wohnen zu können, müßten 750/0 aller Arbeiterfamilien 45 bis 50 0/0 ihres Lohnes für Miete ausgeben und da das unmöglich i|Stf, so sind sie gezwungen in „unternormalen" Wohnungen zu leben, d. h. in einem Zimmer. Aber sehr viele Arbeiterfamilien können auch nicht die 21/2 bis 3.— pal Plfulnd Miete für ein einigermaßen menschenwürdiges Zimmer ausgeben. Und so entsteht in und um^ Tel-Aviv und Haifa mit unheimlicher Geschwindigkeit, eine erschreckend große Zahl