Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 17 (1934)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1934)
- Article
- Tierzüchterische Zeitfragen
- Date
- 1934-12-01
- Page
- Seite 539 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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losen Händlern über's Ohr genauen werden, daß ihnen zwar alles Mögliche versprochen und nur wenig gehalten wird. Nur ein Beispiel: Ein Milehfabrikant, so sollte man diese Leute nennen, verlangt eine Kuh, die nach dem ersten Kalbe 5000—6000 Liter zu geben hat, und ist ganz erstaunt, daß ich ihm sage, daß es so etwas überhaupt nicht gibt. Er schraubt dann seine Forderung auf den Nachweis von 6000—7000 Liter beim dritten Kalbe zurück und wittert bei mir betrügerische Absichten,, als ich' ihm erklärte, daß, selbst wenn ich eine solche Kuh bekommen könnte, ich sie ihm doch nicht liefern würde, weil er dabei sehr schlecht bedient sein würde. Ist es doch die erste Voraussetzung für den Import in subtropische Klimate, daß neben den Kriterien: Jugend, gute Gesundheit und derbe Konstitution der Tiere es auch geboten ist, keine überzüchteten einzuführen. Diese letzte Forderung gilt aber nicht nur für die Form, s o n d e r n mindestens ebenso für die Leistung. Alle Behauptungen, daß das schwarz-weiße Niederungsvieh (sogenannte Holländer) sich in manchen Gegenden des Landes nicht halten kann, sind deshalb unrichtig;, weil diese wichtigste Forderung, die an zu importierende Tiere gestellt werden muß, bisher vernachlässigt und zum Teil auch noch jetzt wie bei früheren Versuchen nicht beachtet wird. Ebenso wie der europäische Mensch, wenn er gesund, abgehärtet und jung ist, sich heute in jedem Klima zu akklimatisieren verstanden hat, ebenso ist auch jedes europäische Rind, gleichviel welcher Rasse, jedem Klima anzupassen, wenn Wie auch beim Menschen für die richtigen hygienischen Umweltverhältnisse gesorgt wird. Anders ist es natürlich, wenn von diesem Tiere Leistungen verlangt werden. Da wird man gerade wegein dieser Leistungsbeanspruchung nur solche Tiere und diese aus solchen Gegenden auswählen, deren Umweltverhältnisse den neu zu erwartenden möglichst ähnliche sind. Das heißt, man wählt, wenn man Milch verlangt, möglichst milchreiche Rassen und diese dann aus Gegenden mit trockenem Kontinentalklima und mageren Fütterungsverhältnissen. Dann, aber nur dann, werden solche Tiere, die in ihrer Heimat 4000 Liter Milch gegeben haben,, hier 7000 und 8000 Liter geben, während Tiere, die in Europa 7000 und 8000 Liter gegeben haben, also überzüchtet sind, und dort sethon an Leistungsfutter gewöhnt waren, hier durch die veränderten Verhältnisse bedeutend weniger leisten und viel anfälliger sein werden. Selbstverständlich werden in späteren Generationen wie beim Menschen auch bei den Tieren Veränderungen im Typ eintreten, die als Anpassungsvorgänge anzusehen sind und die, wenn sie unerwünscht werden sollten, durch Züchtung beschränkt werden können.. Wir sehen dies ja jetzt schon bei den alten Reinzuchtherden. Interessant dabei ist, daß aber diese Leistung sich sogar erhöht hat. Immer wiieder habe ich (auch in dieser Zeitschrift) darauf hingewiesen, daß eine gute brauchbare Viehzucht auf der Basis der Milchleistung niemals geschaffen werden kann, durah Import von Höchstleistungstieren, weil diese ja in gewissem Sinne schon degeneriert siaidj, und daß ein© solche Zucht auch nicht von heute auf morgen entstehen kann. Es muß erst eine Grundlage vorhanden sein, auf der dann durch Import hochgezüchteter Bullen dauernde Hochleistungen erzielt werden können. Wie alte Tierzüchter über meine Arbeiten denken, beweist nichts besser als die Tatsache, daß die Templergemeinde jetzt nach den von mir niedergelegten Richtlinien Zuchtvieh importiert haben und wäiter importieren werden.