Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 17 (1934)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1934)
- Article
- Die arabische Bewegung in Palästina im Jahre 1934
- Date
- 1934-12-01
- Page
- Seite 528 (sequence 8)
- Language
- German
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bezeichnete Chaldi als Verräter an seiner Partei und versuchte die Juden zu schrecken, indem er ihn als Kandidaten des Mufti hinstellte. Die verantwortlichen jüdischen Behörden verkündeten in diesem Familienstreit Neutralität. Es wurde dem jüdischen Wähler freigegeben, zu wählen, wen er wolle. Dr. Chaldi erklärte öffentlich, daß er, falls er in die <Stadtgeme;inda gewählt werden würde (d. h. zum Bürgermeister), er sich allen drei Gemeinden gegenüber ohne Unterschied gerecht verhalten und den Kampf gegen die Naschaschibi-Korruption in der Stadtgemeinde führen werde. Auch Naschaschibi machte verschiedene Bemühungen, um die Juden auf seine Seite zu ziehen. Das Endergebnis war der Sturz Naschaschibis und die Wahl Chaldis. Der Mufti jubelte und die Naschasehibi-Opposition war sehr aufgeregt. Jetzt erst erwachte Naschaschibi und machte sich energisch1 an die Reorganisation seiner Gruppe als einer erneuerten politischen Partei. In der vorbereitenden Versammlung war der erste Punkt ein Tadel des Verrates der Chaldifamilie> und deren Ausschluß aus der Opposition. Diese Tat erweckte Unwillen in einem Teile der Opposition, die dagegen ist, daß die Partei bloß den persönlichen Interessen des Naschaschibi dienen soll. Dieser Teil verließ die Nasch a schibi-Grup p e. Auch Dr. Qhaldi verkündete, daß er sein Ziel weiter gesteckt habe, als den Bürgermeisterposten der Stadt Jerusalem zu erlangen: Er will die Opposition auf neuen Grundlagen organisieren^ mit dem allgemeinen Wohl als Programm* Aber während Naschaschibi in letzter Zeit eine große Aktivität entfaltet und auch sein Verwandter und seine rechte Hand, Fachri Naschaschihi, die Leiter der Führerschaft durch die Organisierung der arabischen Arbeiter immer weiter hinaufsteigt — hat Dr. Chaldi noch keinen positiven Schritt getan. Die Hauptursache für seine Passivität ist sicherlich die beim Gericht anhängige Anfechtung seiner Wahl durch Nasdiaschibi. Aber es gibt noch einen Grund dafür: Die Desorientierung der Regierung angesichts des unerwarteten Resultates der Wahlen in der ersten Zone. Die iNiehtwahl von Nascha^ schibi hat die Tradition, daß der Bürgermeister nur ein Araber sein müsse, erschüttert; die Juden, die die Hälfte der Stadtgemeindesitze einnehmen, in ihr die größte Fraktion bilden und die Majorität in der,Stadt sind, verlangen den Posten des Bürgermeisters für die Juden; wefnn die Regierung Chaldi zum Bürgermeister ernennt, wird sie ferner ihren treuen Verbündeten Niaschaschibi* schwer treffen und hiedurch ihre Genehmigung für die Schaffung einer dritten arabischen Partei im Lande gegeben haben — eine Tatsache, die das Gleichgewicht stört, wie es durch die englisqhen Behörden zu ihrer Bequemlichkeit und Zufriedenheit festgesetzt wurde. Für den Prozeß, der in Jerusalem Mitte November begann, wurden von beiden Seiten große Vorbereitungen getroffen. Es wurden die bedeutendsten Advokaten des Landes mobilisiert (auch Juden) und besondere Sammlungen gerichtlicher Entscheidungen aus Englanjd bestellt. Es ist klar, möge das Urteil wie immer ausfallen, der Biruch und der Streit im arabischen Lager werden zunehmen. Inzwischen aber hat die Sache in allen Gruppen Aktivität geweckt. Naschaschibi hat noch nicht verzichtet und arbeitet mit großer Energie. Seine Organisation wird sich nicht bloß auf die „muselmanische Opposition" gegen den Mufti begnügen, sondern wird auch einen bestimmten Teil der politisch aktiven Christen umfassen, im Namen der „nationalen Verteidigungspartei". Naschaschibi sammelt ein großes Kapital für