Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 17 (1934)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1934)
- Article
- Die arabische Bewegung in Palästina im Jahre 1934
- Date
- 1934-12-01
- Page
- Seite 527 (sequence 7)
- Language
- German
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daß in gewissen Zonen die Juden z. B. zugunsten des einen oder des anderen arabischen Kandidaten entscheiden konnten. Die beiden arabischen Parteien — Mufti und Naschasdhibi — rüsteten sich zu einem verzweifelten Kampf, der auch die christliehen Zonen einbezog. Das Häuptbestreben der Mufti^Leute war es, Naschaschibi, i,hren Hauptgegner im Lande, zu Falle zu bringen. Sie hofften auf eine zumindest passive Hilfe seitens der Juden, die bei den letzten Wahlen Naschasdhibi unterstützt hatten (er wurde mit ihrer Hilfe gewählt) und durch iihn so schwer betrogen wurden, daß sie vor 4 Jahren gezwungen waren, den Stadtrat zu verlassen. Dieses Verhalten Nasdhaschibis zu der Jerusalemer Judenheit gab daher der Mufti-Partei Hoffnung, daß die Juden nicht für Naschaschibi stimmen und ihn zu Fälle bringen werden. Aber inzwischen verwirrten sich die Angelegenheiten: Die Kandidatur der Mufti-Partei für die erste Zone (Naschasdhibi-Zone) -des Jemal al Husseini, wurde für ungültig erklärt und auf der Tribüne erschien ein neuer Gegner, Dr. Hussein al Chaldi. |Dr. Chaldi gehört einer alten vornehmen arabischen Familie an, die in dein Zeiten der türkischen Herrschaft sehr angesehen war. In der britischen Zeit hatte sie wichtige Beamtenstellungen innie gehabt und ist durch die Hussein«» und Nasch asdhibis aus der Führerschaft gedrängt worden. Die Familie zeichnet sich durch arabische und europäische Bildung aus. Die wichtigste arabische Bibliothek im Lande ist die der Cjhaldi - Familie in Jerusalem (viele Handschriften in ihr sind dem Publikum zugänglich). In politischer Hinsicht gehörte die Familie der muselmanisdhen Opposition an, an deren Spitze Naschaschibi steht. Sie war auch eine der Säulen der Opposition in Jerusalem. In der letzten Periode, als die arabisch-politische Organisation eine Krise erlebte, erwachte in dieser Familie der Wille, eine selbständige Stellung in der arabischen Politik im Lande einzunehmen und in der schwersten Frage — der arabisch-jüdischen — einen modus vivendi zu finden. Vor einem Jahre wurde der Vorschlag bekannt, der auf Teilung des Landes in Kantone (jüdische und arabische) zielten, um dadurch eine Lösung für die Fragen des jüdischen Nationalheims und der arabischen Selbständigkeit zu finden. Dieser Plan stammte von der Chaldi-Familie. Diese ist weit vom Radikalismus der Mufti- Partei entfernt und realpolitisch eingestellt. Aber auch die Naschaschibi - Partei ist ihr nicht sympathisch, denn Niaschasdhibi verfolgt bloß persönliche Zwecke und er aktiviert seine Gruppe nur, wenn es sein privater Vorteil erheischt. Und als die Kandidatur der Mufti-Partei in der Wahlzone des Naschaschibi für ungültig erklärt wurde, eröffnete sich für die Chaldi-Familie — durch einen mutigen Schritt — das Tor für eine politische Karriere, ausgehend von der Jerusalemer Stadtgemeinde. Die Rechnung der Chaldis war folgende: Da der Mufti vor allem darauf bedacht ist, Nasdhaschibi zu Falle zu bringen und keinen eigenen passenden Kandidaten hat^ so wird er jed^en Araber unterstützen, der mit Naschaschibi konkurriert; der Mufti wird Dr. Chaldi aucih aus einem anderen Grunde unterstützen: um die Opposition zu spalten; die Juden werden ihn gewiß unterstützen, um sich an N(aschasch,ibi zu rächen und um die Möglichkeit zur Entfaltung einer neuen arabischen Kraft zu geben, die einen Ausgleich mit den Juden anstrebt. Das Erscheinen von Chaldi erregte einen Sturm in der arabischen Oeffentlichkeit. Es war ein schwerer Schlag für Naschiaschibi und seine Partei. Der Mufti und seine Presse machten große Agitation für Chaldi. Naschaschibi