Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 17 (1934)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1934)
- Article
- Die arabische Bewegung in Palästina im Jahre 1934
- Date
- 1934-12-01
- Page
- Seite 526 (sequence 6)
- Language
- German
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von diesem Ziel (arabisch-nationale Herrschaft in Palästina) in eine Institution, in der die eine Gruppe die andere kritisierte und im Zaune hielt. Statt um das Ziel, handelte es sich jetzt (um .da& Schlilid oder die Stampiglie», in deren Namen die Forderung vor der äußeren Welt und der Mandatsregierung erscheinen soll. ndU um die Festhaltung dieses Schildes entbrainkite ein Kampf im arabischen Lager, wenn audh ohne Begeisterung und in Pausen von einem halben Jahr oder einem Jahr (während dieser Pausen schlief die Exekutive). Aber eine positive Seite hatte dieser Kampf im vergangenen Jahr: Die arabischen Führer kamen zur Ueberzeugung, daß die palästinensischen Araber sich auf Basis einer Partei organisieren müssen, nach den Beispielen in der ganzen Kulturwelt und nicht wie bisher auf einer traditionellen — 'familienmäßigen Basis. Da es ihnen klar geworden war, daß bis auf die Parole „Arabisches Palästina" keine arabische Gruppe ein Programm besitzt, beschlossen die Führer in aller Naivität, im Laufe von 6 Monaten politische Parteien mit bestimmten Programmen zu schaffen und auf Grund dieser Programme sollten die Wahlen für eine Konferenz und eine erneuerte Exekutive durchgeführt werden. Aber die innere Lage im arabischen Lager ist heute die, daß keine nahe Aussieht besteht, es sei denn, daß etwas Unverhofftes eintreten würde, daß ein neues gemeinschaMicbes Institut geschaffen wird. Die Führer haben aber jedenfalls erkannt, daß die Existenz einer absolut fiktiven Institution, wie es die arabische Exekutive ist, nicht fortzusetzen sei. Einen neuen Faktor zur Verschärfung der Verhältnisse im arabischen Lager trugen die Stadtratswahlen in Jerusalefm bei, welchle die Munizipalwahlen in den arabischen oder gemischten Gemeinden abschlössen. Ueberall — mit Ausnahme von Jerusalem — brachten die Wahlen keine Aenderung des bekannten Status: Die Regierung fand es für möglich, die Bürgermeister aus den Reihen der muselmanischen Opposition zu ernennen. Die Mufti-Partei führte keinen landesmäßig organisierten Kampf bei den Wahlen. Die Regierung rechnete auch gar nicht mit einer Aenderung der Zusammensetzung der Parteien in den Stadtgemeinden. Ueberall, wo der Bürgermeister neu gewählt wurde, wurde er sofort durch die Regierung in seiner Stellung bestätigt, selbst wenn seine Partei an Zahl zurückgegangen war (z. B. in Haifa). Und dort, Wo ein Bürgermeister nicht gewählt wurde, wurde wiederum ein solcher aus der Opposition ernannt. (Ausnahmen davon gibt es nur wenige.) Im allgemeinen hatte dieser Wahlkampf nicht den Charakter eines politischen Kampfes im ganzen Land, sondern den einer Konkurrenz der lokalen Familien. Anders war es in Jerusalem, und zwar aus drei Gründen: 1. Jerusalem ist die Hauptstadt 2. Der bisherige Bürgermeister ist Naschaschibi, der Führer der muselmanischen Opposition und der zweite offizielle Führer im Lande nach oder gegen den Mufti. 3. Die Juden haben in dieser Stadt einen entscheidende Kraft. Der neue Jerusalemer Gemeinderat besteht aus 12 Mitgliedern: 6 Juden, 6 Arabern (4 Muselmanen und 2 Christen). Die Juden bilden zwar mehr als 6O0/0 der Stadtbewohner und sind auch die überwiegende Mehrheit der Steuerzahler. Da aber unter ihnen viele ausländische Staatsbürger sind und andererseits die in der Altstadt wohnenden Araber nach alter Tradition besondere Rechte besitzen, die auch im neuen Gesetz anerkannt wurden, haben sich beide Völker ausgeglichen und dementsprechend hat die Regierung die Einteilung festgesetzt. Die Stadt wurde in 12 Gemeindezonen aufgeteilt. (6 jüdische, 4 muselmanische und 2 christliche) mit zum Teil kleinen Vermengungen, so