Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 17 (1934)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1934)
- Article
- Die arabische Bewegung in Palästina im Jahre 1934
- Date
- 1934-12-01
- Page
- Seite 523 (sequence 3)
- Language
- German
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Herrscher von England ist absolut. Erwägt man einerseits die Situation des Mufti gegenüber der extremen Jugend im Lande, die den Mufti entweder als einten Bundesgenossen oder als einen Beamten der imperialistischen englischen Regierung ansieht und die feste Haltung das (gegenwärtigen Ober* kommissärs Wauchope gegenüber den störenden arabischen Faktoren andererseits, so wird die gajnze Schwere der Lage des Mufti nach der Rückkehr von seiner mißglückten Reise Z;u den Muselmanen Indiens verständlich. Er wurde gezwungen, seinen ganzen Einfluß aufzubieten, um die arabische Exekutive zu veranlassen, die Erlaubnis für die Jänner-Demonstrationen zu erbitten, d. h. die Gesetze des britischen Regimes im Lande und deren Prestige anzuerkennen. Das Resultat war katastrophal für die organisierte Bewegung. Eine Tat, in welcher die Jugend und die Extremen eine Großtat sahen, verwandelte sich vor ihren Augen in eine beschämende Satyre. Die Istaklal-Leute nahmen an der Jänner-Demonstration nicht teil. Ebenso nicht das breite Publikum. Die offizielle arabische Führung bemühte sich, den schlechten Eindruck zu verwischen und zur Tagesordnung überzugehen. Aber die britischen Behörden beschlossen, diese Schwäche auszunützen und an den arabischen Führern für ihre Frechheit während der Oktober^Demonstrationen, als sie das britische Regime direkt angriffen, schwere Rache zu nehmen. Alle Organisatoren der Demonstrationen vom Oktober in Jerusalem und Jaffa wurden vor Gericht gezogen. Und da geschah etwas sonderbares: Statt diese Prozesse zu einer politischen Demonstration und die Arrestanten zur Statuierung eines Beispieles für nationale Aufopferung auszunützen^ um die Bewegung zu begeistern und zu stärken, hielten die aktiven und großen Führer der Muftipartei, des Istaklal und der Jugendorganisation am System fest, sich um die Verantwortlichkeit für die Demonstrationen zu drücken und hinter juristische Floskeln betreffs Gesetzlichkeit oder Ungesetzlichkeit der Demonstrationen zu verschanzen. In erschreckender persönlicher Feigheit bemühten sich diejenigen, welche tausende Menschen vor die Mündungen der Gewehre der Regierung geführt und ein schweres Blutvergießen verursacht hatten, dem englischen Richter zu beweisen, daß sie unschuldig sind (die gerichtliche Verhandlung war absolut unpolitisch). Jedoch die Regierung ließ nicht nach und stellte die Führer an den Pranger. Als 18 Führer zu Gefängnis zwischen 5 bis 10 Jahren verurteilt waren, wurde ihnen unter der Bedingung Amnestie gewährt, daß sie sich verpflichten, durch drei Jahre keine antigesetzliche Aktivität zu entfalten. Unter ihnen fand sich dann nur einer, Scheich Musafar, der älteste unter allen (50 bis 55 Jahre alt), der mit Verachtung die Amnestie zurückwies und ihr 6 Monate Kerker vorzog. Alle übrigen, darunter der Leiter der Mufti-Partei, Jemal al Husseni, der Führer des Istaklal, Auni Abd al-hadi und der Führer der Jugend, Jakob Gusseyn, unter schrieben diese Verpflichtung. Dies war eine schwere und gittere Rache seitens des britischen Regimes. Keine Kanonen können eine politische Bewegung schwerer treffen als ein solcher Prozeß und eine solche Amnestie. Das hervorstechendste Moment der Lage im Jahre 1934 ist eine Verwicklung der politischen Verhältnisse im arabischen Lager durch außerpalästijnensische Faktoren. Das mächtige Streben des Mufti nach einer großen Rolle in der muselmainischen Welt und die starke Hand des gegenwärtigen Öberkommissärs, der den Mufti wie in einer Zange festhält, drängen ihn unaufhörlich aus dem Rahmen des Landes, um Kraft und Einfluß in der moslemischen