Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 17 (1934)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1934)
- Article
- Die arabische Bewegung in Palästina im Jahre 1934
- Date
- 1934-12-01
- Page
- Seite 522 (sequence 2)
- Language
- German
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einbart, daß die Demonstrationen um 7 Uhr früh stattfinden müssen, in der Winterkälte nach dem Festgottesdienst. Und währien<d im Oktober 1933 bei der ersten Demonstration in Jaffa sich ca. 5000 Mensahjen einfanden, verließen bei der zweiten gegen 500 Menschen als Demonstranten die große Moschee, zu einer Zeit, da alle Einwohner der Stadt noch1 schliefen oder zw Hause saßen. Der Zug glich eher einem Begräbnis des Demonstrierens als einer Demonstration und es erhebt sich die Frage: was war zwischen dejm 27. Oktober 1933 und dem 16. Jänner 1934 vorgefallen? Im allgemeinen nichts außergewöhnliches. Die arabische Oeffentlichlkeit hatte im Oktober die von ihr von Zeit zu Zeit von ihren politischen Führern geforderte Steuer in Form von Menschenopfern, von Geschäftseinstelluingen im Laufe einer Woche und mit der Sammlung von 3000 Pfund für die vom der Demonstration Betroffenen bezahlt. Aber sie ist nicht gewillt^ daß jeden zweiten oder dritten Monat der normale Gang des Lebens gestört werdje, sowie die Bewegung der wirtschaftlichen Prosperität, die (natürlich wegen eben jener Alijah, gegen die sie be^ beauftragt wurde, von Zeit zu Zeit zu protestieren) im Lanide herrscht. Die arabischen Kaufleute und Pardeßbesitzer haben ausdrücklich lerklärt, daß sie die Saison des Orangentransportes nicht stören lassen werden. Und bei all dem geschah noch etwas merkwürdiges. In der Zwischenzeit kehrte der Mufti von seiner Indienreise zurück und er war es, der die Extremen seiner Gruppe zähmte. Der Mufti war und ist die tragende Säule ider arabischen Bewegung im Lande und darum sind all seine Handlungen für die Bewertung der Kraft dieser Bewegung wichtig. Der Mufti wurde vor 12 Jahren zu einem hohen Rang erhoben, als er 28 oder 29 Jahre alt war, und zwar durch die britische Administration (Herbert Samuel) und auf Grund eines ungeschriebenen Vertrages, daß er die britische Autorität im Lande nicht unterwühle. Um jedoch seine politische Position unter den Arabern aufrecht zu erhalten, erlaubten ihm die Behörden einen Kampf gegen den Zionismus und für die Hemmung seiner Fortschritte. Aber im Laufe der Jahre erkannte er, daß sein Einfluß auf die englische Politik im Lande nicht ausreichend sei und er beschloß^ sich Helfer in der arabischen und muselmanischen Welt zü suchen. Die muselmanische Konferenz in Jerusalem im Dezember 1931 hätte ihm diese Hilfe bringen sollen. Jedoch hat der Mufti offenbar nicht genügend die Interessengegensätze, die in der muselmanischen Welt herrschen, eingeschätzt und so wurde er, statt in dieser Bewegung Hilfe bei seinem Druck auf England zu finden, durch Schaffung der muselmanischen Konferenz noch mehr von England abhängig als bisher. Denn alle großen muselmanischen Blocks, wie Aegypten und Indien z. B. sind von England abhängige Bundesgenossen. Und wenn vor der muselmanischen Konferenz der Mufti von England bloß wegen seiner Position im Lande abhängig war, wurde er es nach dieser Konferenz auch bezüglich seiner Position in der muselmanischen Welt. Passives Verhalten, ja noch mehr Sympathie seitens Englands, vermag die Position des Mufti innerhalb der Muselmanen Indiens zu stärken und umgekehrt; ein negatives Verhalten Englands vermag seine Stellung zu erschüttern. Und besonders schwankend ist das Verhältnis des Mufti zu den muselmanischen Herrschern, in deren Händen allein es liegt, die Pläne der muselmanischen Konferenz zu verwirklichen (wie die muselmanische Universität in Jerusalem, Bodenkäufe in Palästina u. a. m.). Denn die Abhängigkeit dieser