Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 17 (1934)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1934)
- Article
- Die Aufgaben der "Angewandten Pflanzensoziologie" in Palästina
- Date
- 1934-12-01
- Page
- Seite 513 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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preisgegeben sein und überdies bleibt bei einer nur durch Bohrung 5X3 ermittelten Stelle die Gefahr bestehen, daß die betreffende Felsspalte für eine richtige Horizontalverzweigung des Wurzelsystems keinen Raum läßt, so daß nach einigen Jahren schönen Gedeihens viele Exemplare doch eingehen oder sich zumindest nicht mehr so gut weiterentwickeln. Hier könnte der Laie die Einwendung machen, daß auch die Besiedlung durch die wildwachsenden Arten vom Zufall abhängig ist. Dieser Einwand ist, wie jeder Botaniker bestätigen kann, ganz und gar nicht stichhältig. Der Zufall spielt bei der Entwicklung der Pflanzengesellschaften nur in den allerersten Jahren eines für die Vegetation neu entstandenen Bodens eine gewisse Rolle (ein derartiges Neuland kann durch natürliche oder künstliche Katastrophen zustande kommen, z. B. bei einem Bergrutsch, einer Verschüttung etc.). Auf Flächen, die durch lange Zeiten hindurch die gleichen Bedingungen bieten, sind alle Stellen nur von den ihren Bedingungen adäquaten Arten besiedelt. Man darf nicht vergessen, daß die Vermehrungs- und Verbreitungsfähigkeit der meisten Pflanzen eine außerordentlich große ist, und daß die einzelnen Individuen im Laufe von wenigen Vegetationsperioden zumeist eine Unzahl Samen über eine oft sehr ausgedehnte Umgebung ausstreuen. Für den einzelnen Samen mag es Zufall sein, ob er an eine geeignete Stelle und dort zum Keimen gelangt, für die Art aber ist im Laufe von Jahrzehnten und Jahrhunderten ein solcher praktisch ausgeschaltet. Viel eher kann umgekehrt behauptet werden, daß man von einem außerordentlichen Zufall sprechen müßte, wenn an einer für die Art geeigneten Qertlichkeit Individuen derselben nicht anzutreffen wären. Mit einer Wahrscheinlichkeit, die praktisch als Sicherheit genommen werden kann, sind dann eben innere Ursachen hiefür vorhanden. Der Pflanzensoziologe wird also in Beziehung auf dieses Problem — und es ist, es sei dies nochmals betont, nur ein Beispiel — die Aufgabe haben, durch die Erfassung der spezifischen Pflanzengesellschaften und deren Komponenten die geeigneten „Zeiger"' der verschiedenen Bedingungen im felsigen Gelände festzustellen. Kostspielige und jahrelange Versuche, bei denen der Zufall eine viel zu große Rolle spielen würde, werden damit vermieden werden können. Wesentlich andere Probleme ergeben sich im Gebiete der Sanddünen. Eine Teilung der Aufgabenkomplexe für solche im Norden und im Süden des Landes dürfte durch die so stark von einander