Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 17 (1934)
- Issue
- Heft 11 (November 1934)
- Article
- Die jüdische Wirtschaft und ihre Entwicklungstendenzen
- Date
- 1934-11-01
- Page
- Seite 469 (sequence 21)
- Language
- German
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reichen Einwanderern bedingt, die in der Diaspora diesem Beruf nachgingen. Und so beobachten wir auch, daß von den Neueinwanderern größere Kontingente sich dem Handel zuwandten. Zwar haben größere Teile der Immigranten sich der Landwirtschaft zugewandt und andererseits Mittel in der Industrie investiert, jedoch bleibt die Tatsache bestehen, daß der Handel eine überaus große Lockung auf viele Neueinwanderer ausübte. Die wertvermittelndei Tätigkeit des Binnenhandels ist natürlich eine durchaus wichtige Funktion im gesamten Wirtsichaftsorganismus, nur darf man dabei nicht darüber hinwegsehen, daß an mamchen Stellen sich bereits eine gewisse Uebersetzung im Warenverteilungsapparat zeigt. Und dies ist ein dur;chaus ungesunder Faktor in der jetzigen Entwicklungsphase der Wirtschaft. Es muß daher für die Folgezeit mit größter Anstrengung darauf hingezielt werden, daß das eingewanderte Kapital sijch immer mehr der eigentlichen wertschaffenden Arbeit zuwendet, wenn sie aujch vorerst mit größerem Opfer verbunden sein mag. Denn man muß sich immer wieder vor Augen halten, dßfi gerade der Handel in Zeiten des Wirtsidhaftsrückga,nges das schwächste Kettenglied der Wirtschaft darstellt. Bei Ausbruch von Wirtschaftsschwierigkeiten wird der Handel mitunter als erster betroffen; und gerade von ihm könnte negative Ausstrahlungen auf andere Wirtschaftszweige übergreifen. Darüber hinaus ist zu bedenken, daß aus der gewissen Uebersetzung im Binnenhandel die PreösjSjpanne keine Schmälerung erfahren kann. Durch die übermäßige Einschaltung von Vermittlerstellen werden zusätzliche Preisaufschläge bedingt, so daß zwischen dem eigentlichen Einstandspreis des Erstlieferanten und dem letzten Verkaufspreis, den der Konsument zu zahlen hat, sich eine besonders hohe Spanne ergibt. Man kann eine Reihe von Waren anführen, bei denen der Preis, den der letzte Konsument zu zahlen hat, etwa das Doppelte und das Zweieinhalbfaiohe des Einstandspreises ausmacht. Und diese Preisspanne bedeutet nicht etwa erhöhte Gewinnsätze für den Händler, sondern ist eine Folge gerade der Zersplitterung des Absatzweges auf zahlreiche Glieder. Für den Konsumenten bedeutet sie natürlich eine übermäßige Belastung seines Einkommens. Hand in Hand mit der Ausweitung des Einzelhandels entfaltete sich ^fler Großhandel, der gerade in diesem Jahre dur;ch die Tel-Aviver Messe einen' neuen Impuls zur Belebung seiner Tätigkeit erfuhr. Sein Unterbau wurde Jahre hindurch dadurch beeinträchtigt, daß er standortsmäßig stark einseitig verlagert war. Noch im Jahre 1930 entfielen rur^d 72 o/o sämtlicher Großhandelsbetriebe allein auf Tel-Aviv, lediglich rund 14o/o auf Haifa. Der Ausbau des Haifaer Hafens, dar nunmehr zu "einem überaus wichtigen Wirtaohaftsfaktor des Landes wird, treibt dahin, die Verteilung des Großhandels proportioneller zu gestalten, die Betriebsbesetzung des Haifaer Großhandels zu steigern, damit auch die Umsatztätigkeit gleichmäßiger zu. gestalten. Diese Tendenz vermag aber sich nur dann wirksam durchzusetzen, wenn die Regierung die weitere Ausgestaltung des Haifaer Hafens, die bisher in jeder Hinsicht viel zu wünschen übrig ließ, in intensiverem Maße vornimmt. Vorläufig hat sich dieser Hafen als unzureichend erwiesen, den Transportanforderungen zu entsprechen, dem Zitrusver,sand zu genügen, die Zoll- und Lagerhäuser haben sich in ihrer Aufnahmefähigkeit dem gesteigerten Warenumschlag keineswegs gewachsen gezeigt. Die Regierung plant jetzt allerdings., wesentliche Verbesserungen im Hafenverkehr, und den Hafenanlagen durchzuführen. Jedoch bleibt das Ergebnis abzuwarten. (Nebenbei bemerkt ist