Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 17 (1934)
- Issue
- Heft 11 (November 1934)
- Article
- Die jüdische Wirtschaft und ihre Entwicklungstendenzen
- Date
- 1934-11-01
- Page
- Seite 468 (sequence 20)
- Language
- German
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Passung an die Marktkonstellation haben sieh zwar als bedeutsame Hemmungen erwiesen. Diese hemmenden Wirkungen wurden jedoch im Gesamtergebnis durch die vorantreibenden Kräfte übertroffen. Und so entstand nunmehr ein imposantes Grtindgerüst eines Industriegebäudes, das aber noch in den Anfängen seiner weiteren Ausgestaltung steht. VI. Handel und Transport Die Intensitätssteigerung der Wirtschaft hat sieh voll und ganz auf den Binnenhandel übertragen. Der inländische Warenvertrieb hat sich zusehends vergrößert. Das Umsatzvolumen, das noch vor drei Jahren etwas über 3 MilÜ. pal. Pfund betrug, dürfte sich mehr als verdoppelt haben. Die Umsätzquote je Kopf der jüdischen Bevölkerung hat sich nicht nur in ihrem absoluten Gesamtausdruck, sondern in ihrer Relation gesteigert, denn zugleich mit der Vermehrung der Bevölkerung haben sich die Umsatzwerte noch stärker erhöht. Die beschleunigte Urbanisierung, verbunden mit den Auswirkungen der jüdischen Einwanderung, bedingte gleichzeitig eine beträchtliche Vermehrung des den Binnenhandel repräsentierenden Apparates. Das Netz der Warenverteilungsstellen hat sich in den letzten anderthalb Jahren vor allem in Tel-Aviv und Haifa beträchtlich ausgedehnt; aber auch in Jerusalem setzt sich nunmehr eine Erweiterung der Binnenhandelstätigkeit in forciertem Ausmaß durch In vielen größeren Siedljungsorten hat der Warenhandelsapparat eine erfreuliche Erneuerung und Verbesserung erfahren. Die überkommenen traditionellen Bindungen im inländischen Warenvertrieb werden allmählich! durch neuere, moderne Methoden ersetzt. Die Absatzverhältnnisse haben sich von Grund auf geändert und stehen nunmehr einer ganz andersgearteten Umschichtung im Geschmack und Verlagerung im Bedarf gegenüber. Das Warenassortiment hat sich wesentlich gehoben und vervielfältigt. Zugleich mit der Warenauswahl hat sich auch die Warenqualitat gebessert. Die Verkaufsmethoden haben wichtige Neuerungen erfahren. In erster Linie verdient in diesem Zusammenhange die Tatsache hervorgehoben zu werden, daß der noch so häufig vertretenen Borgverkauf, der viele Nachteile, sowohl für den Händler selbst;,1 als auch für den Konsumenten bringt, durch den Barverkauf allmählich verdrängt wird. Noch im Jahre 1930 bestanden im jüdischen Einzelhandel die Barverkäufe aus lediglich etwa einem Fünftel des gesamten Umsatzes. Im Verlauf der letzten l1/2 Jahre hat sich dieser Anteil dauernd gesteigert. Ihre eigentliche Stütze fandet die Borgverkaufsmethode in der Hauptsache noch beim überalteten Kleinladen. Die Preisvere^nheitlichung schreitet fort. Damit werden die Kalkulationsgrundlagen des Binnenhandels auf gesunde Basis gebracht, ferner dem Konsumenten eine bessere Uehersicht über den Warenein;) kauf gewährt. Die standortsmäßige Verteilung des jüdischen Einzelhandelsapparates hat sich in der neueren Zeit günstiger gestaltet; der Warenvieirtrieb vollzieht sich daher auch an den Stadtperipherien und deren Umgebung reibungsloser. Die in der jüngsten Zeit neu entstandenem größeren Betriebsformeni im Einzelhandel bewirken einen konzentrierteren und vielfältigeren Warenabsatz. Der Binnenhandel erfordert an sich eine relativ weit geringere Kapitalinvestierung als die Industrie, geschweige denn die Landwirtschaft, um eine Betriebsgründung vorzunehmen. Gerade dieser Umtetand steigert hier die Anziehungskraft des Handels bei vielen Neueinwanderern. Hinzu kommt noch, daß die Handelstätigkeit keine grundlegende Berufsumstellung bei zahl-