Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 17 (1934)
- Issue
- Heft 11 (November 1934)
- Article
- Die jüdische Wirtschaft und ihre Entwicklungstendenzen
- Date
- 1934-11-01
- Page
- Seite 467 (sequence 19)
- Language
- German
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führung, wie sie sieh aus der zunehmenden Betriebsgröße ergibt. Die gehobene Betriebsgröße Wird noch deutlicher durch die Tatsache illustriert, daß nunmehr gegenwärtig im Durchschnitt sechs Beschäftigte auf einen Betrieb kommen gegen vier Personen drei Jahre vorher. Dalbei ist zu beachten, daß diese Durdhschnittsziffer sich sowohl auf die Industrie als auch auf das Gewerbe erstreckt. Das Gewerbe stützt sich aber überwiegend, teilweise sogar vollständig auf eigene Arbeitskraft. In der reinen Industrie würde sich teixn Durchschnitt der Arbeiter je Betrieb von ungefähr 15 Personen ergeben. Zugleich mit der Ausweitung der Produktions- und Kapitallbasis hat sich der technische Produktionsapparat vervollkommnet, die installierte motorische Kraft vergrößert, der elektrische Antrieb in vielen Betrieben erweitert, die Werksanlagen der bestehenden Betriebe1 sind größtenteils modernisiert, die der neuen Betriebe dem neuesten Stand angepaßt worden. Hand in Hand mit der Technisierung vollzog sich auch eine Intensivierung im Produktionsprozeß; die Produktionsergiebigkeit je Arbeiter hat sich bemerkenswert gesteigert und zugleich auch die Produktionsqualität gehoben. Palästina ist nunmehr auf dem Wege, in die Reihe fortgeschrittener Industrieneuländer heraufzurüeken. Vergleichen wir nun das bisher Erreichte in der Industrie mit dein in anderen Wirtschaftszweigen Erzielten, stellen wir die Pioduktionsergebnisae, soweit angängig, gegenüber, so sehen wir, daß erstens mit dem fortgesetzten Ausbau der Industrie sich ein allmählicher Ausgleichsprozeß im Wui»chaftsorganismus anbahnt, der auf die Dauler dazu führen Wird, die bestehenden Disproportionalitäten in der Wirtschaftsentwicklung abzuschwächen. Zweitens bedeutet der Industrieausbau nicht nur die Schaffung eines erweiterten Reservoirs zur Aufnahme neuer Arbeitskraft, wie sie aus der Einwanlderung resultiert, sondern zugleich auch eine Stärkung und Verzweigung der weltwirtschaftlichen Verflechtung des Landes. Schließlich gewinnt äie Industrie an Bedeutung als Wareriversorger des Binnenmarktes an verschiedenen industriellen Fertigwaren, deren Einfuhr bisher noch immer hoch war. Die Tatsache, daß im Jahre 1933 (die Angaben für Januar bis März 1934 bekräftigen noch diese Tendenz) ein gewisser Rückgang des Exports einheimischer industrieller Fertigwaren stattgefunden hat, beweist gerade, daß die Industrie ajlsi Warenversorger in der Bedarfsdeckung des Landes an Boden gewinnt. Dennoch wäre es notwendig, im Verlauf der weiteren Entwicklung die Exportgrundlagen der Industrie zu stärken, schon deswegen, um hierdurch den ausgesprochen einseitigen Exportcharakter des Landes abzuschwächen. Es würde sich dabei vor allem darum handeln, den industriellen Fertigwarenexport nach] den Nachbarländern Palästinas zu steigern. Und auch hier können wir diqr gleiche Feststellung machen, daß die Regierung durch eine Reihe handelst politischer Maßnahmen wichtige Dienste zu leisten vermag, ebenso wie in anderer Richtung, nämlich im Sinne einer Anpassung der Zollpolitik an die Interessen des weiteren Industrieaufbaues. S;chwierig war der bisherige Weg, den die Industrieentwicklung zurückgelegt hat. Eine unelastische Zollpolitik, keine vorgelagerten Rohstoffe für den Bedarf der meisten Industriezweige, ein eng begrenzter Binnenmarkt, der zudem in zwei Sektoren zerfällt, die miteinander nur geringe Berührungsflächen aufweist, Mangel an fachgeschulter Kraft und auch an gewöhnlichen Arbeitskräften, unzureichende Erfahrungen im Produktionsprozeß und in der Betriebsfülirung, mitunter auch mangelnde Unternehmerinitiative in der An*-