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Palästina · 1934-11-01 · Heft 11 (November 1934) · p. Seite 465

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Journal
Palästina
Volume
17 (1934)
Issue
Heft 11 (November 1934)
Article
Die jüdische Wirtschaft und ihre Entwicklungstendenzen
Date
1934-11-01
Page
Seite 465 (sequence 17)
Language
German
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Noch vor etwa einem Jahrzehnt ein fast gänzlich industrieloses Land, hat Palästina in den darauffolgenden Jahren — mit gewissen Unterbreidhungen — industrielle Ansätze gezeigt, die sich fortdauernd durchgesetzt haben. No,ch immer ist die Wirtsdhaft auf breiter agrarischer Basis fundiert, jedoch beschleunigt sich die Ausdehnung der Industrietätigkeit in den letzten Jahren fortwährend und die Entwicklungskurve verläuft sprunghaft. Sie bewirkt grundlege xde Umstellungen in der Wirtschaftsstruktur, bedingt revolutionierende Verschiebungen in den Wirtschaftsgrundlagen. Das Industrieproblem' wird nunmehr zu einem Problem, dem ein gebührender Platz in der ökonomischen Bewertung der Möglichkeiten und der weiteren Perspektiven in der Wirtsichaftsentwicklung zukommt. Man bege-ht keine Uebertreibung, wenn man das Entwicklungstempo der jüdischen Industrie in der Neuzeit als eine aus dem Rahmen der IndustrialisierungsgesiClhichte sich kolonisierender Neuländer fallende Erscheinung bewertet. Während die meisten sich industrialisierenden kapitalistischen Neuländer in ihrer Entfaltungsetappe jahresdurehsidhnittlidlie Wachtumsquoten ihrer Industrieproduktion von 8 bis 12 o/o aufzuweisen hatten, die sowjetrussi&che Industrie eine jahresdurcbschnittliche Produktionsausdehnung in der Fünfjahrplan-Etappe von 20 bis 22o/o zu verzeichnen hat, ist die industriegewerbliche Produktion der Juden in Palästina innerhalb von drei Jajhren auf das Doppelte angestiegen, d. h}. ihre jahres,- durchschnittliche Wachstumsrate beträgt, ganz roh gerechnet, etwa ein Drittel, Auf 5,3 Mill. pal. Pfund stellt sich nunmelhr der gesamte industriegewerbf liehe Bruttoproduktionswert gegen 2,5 Mill pal Pfund im Jahre 1930, 860/0 hiervon entfallen allein auf die Industrie, rund 14 0/0 auf das Gewerbe. Der Industrieapparat hat sich auffallend vergrößert: von 2475 Einheiten im Jahre 1930 auf 3388 Einheiten Ende 1933, davon 970 reine Industriebetriebe und 2418 kleingewerbliche Betriebe. Allein im Jahre 1933 wurden 588 neue Industrie- und Gewerbebetriebe dem Produktionsprozeß zugeführt, im Jajhre 1934 hat sich der Industrieaufbau in ungesohwächtem Tempo fortgesetzt: 115 Industriebetriebe sollen allein in den ersten 7 Monaten 1934 neu gegründet worden sein, 26 weitere Industriebetriebe sind im Entstehen begriffen. In Wirklichkeit ist die Anzajhl der in den ersten 7 Monaten 1934 neuentstandenen Betriebe wesentlich höher, da die oben angeft&rte Ziffer sich nur auf reine Industriebetriebe bezieht, ohne das Gewerbe erfaßt zu haben. Im Verlauf der; letzten l1/2 Jahre hat sich! die industrielle Produktion nicht nur ausgedehnt* sondern vervielfältigt und verfeinert. Außer den bereits bestehenden Produktionsgattungen sind zahlreiche neue Produktionsarten hinzugekommen, die sich' der Bedarfsumschichtung der Wirtschaft und der Geschmacks Wandlung der Bevölkerung anpassen. Das Schwergewicht der Industrieproduktion des Landes] liegt bisher bei den Verbrauchsgüterindustrien, deren Erzeugung noch gegenwärtig schätzungsweise etwa drei Viertel des gesamten Bruttoproduktionswertes ausmacht. Diese Tatsache ist eine natürliche Erscheinung im Industrialisierungsprozeß eines so jungen Landes, dessen Industrieaufbau in erster Linie sich der Deckung des unmittelbaren Bedarfes der breiten Bevölkerungsschichten zuwendet und erst später, im Verlauf der weiteren Entwicklung, sich immer mehr ausgestaltet und zu höheren Produktionsstufen gelangt. Eine weitere Erklärung für diese Industrialisierungstendenz, wie ma;n sie für die meisten anderen kapitalistischen Neuländer ebenfalls beobachten kann, liegt darin, daß diejenigen Industrien, die unmittelbar für den Markt arbeiten, im wesent-

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