Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 17 (1934)
- Issue
- Heft 11 (November 1934)
- Article
- Die jüdische Wirtschaft und ihre Entwicklungstendenzen
- Date
- 1934-11-01
- Page
- Seite 456 (sequence 8)
- Language
- German
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Und trotz alledem, bewegt sich, die amtliche Einwanderungsp olitik in gleicher Richtung wie zuvor. Sie übersieht das gegenwärtige wirtschaftliche Gesicht, das ganz andere Züge trägt als vorher und Zeugnis davon ablegt, wie der Wirtschafts Organismus immer schneller reift und unter den künstlichen Einwanderungsschranken so schwer leidet. Sie übersieht die Unsicherheit^ die gerade hierdurch mitunter in der Fortentwicklung ausgelöst wird, deren Wirkungen weitgreifend und deren Folgen nicht nur das allmähliche Einspielen der Wirtschaftselemente in eine proportioneile Entfaltung erschweren* sondern auch die außerhalb des eigentlichen wirtschaftlichen Kreislaufes wirkenden Kräfte beeinträchtigen. Man denke dabei nur an die Touristenbewegung, deren Förderung für die Zukunft einen wichtigen Aktivposten in der Zahlungsbilanz des Landes darstellen kann, Industrie und Handel wesentlich zu beleben und so auch die weltwirtschaftlichen Beziehungen zu heben vermag. Durch rein bürokratische Maßnahmen wird häufig das Gegenteil erzielt. Man erinnere sich an die Unzuträglichkeiten, die die „Fangaktion" ausgelöst haty an die übermäßige Erhöhung der Garantdiebeträge, die von den Touristen zu hinterlegen sind usw. In ihrer Gesamtwirkung schufen sie zwar ein Filter* durch welches eine immer geringere Besucheranzahl ins Land kommt, das aber zugleich die gesamte Touristenbewegung äußerst nachteilig zu beeinflussen vermag. Betrachten wir nunmehr die Kehrseite der Einwanderung, nämlich ihre wirtschaftliche Aufgliederung und ihre Verteilung im Lande, so ist auf der einen Seite der erfreuliche Tatbestnad wahrzunehmen, daß es der Wirtschaft gelun-» gen ist, in einer verhältnismäßig kurzen Zeit die Neueinwanderer aufzunehmen! und sie zu verwerten. Auf der anderen Seite haben die bisherigen Ergebnisse gezeigt, daß es nicht gelungen ist, die arbeitenden Neueinwanderer .den Wirtschaftsanforderungen zugänglicher und lenkbarer zu machen. Nach den Anr gaben der Zentralstelle für Einwanderung bei der Histadruth ergibt sich, daß; von der Gesamtzahl der in den ersten sechs Monaten 1934 eingetragenen, Neueinwanderer reichlich die Hälfte in den Städten verblieb und unter Hinzurechnung eines weiteren Teiles, für welchen der Verbleib sich nicht festsötellen ließ, erhöht sich diese Quote auf etwa zwei Drittel. Dies besagt, daß von den neuen Arbeiter-Einwanderern lediglich etwa ein Drittel aufs Land ging und auch von diesem Anteil muß noch ein wesentlicher Abschlag gemacht werden auf Rechnung derjenigen Neueinwanderer, die nach mehr oder minder kurzen Aufenthalt dem flachen Land den Rücken kehrten und zur Stadt zurückgingen. Man geht nicht fehl, wenn man berechnet, daß der eigentliche Anteil der auf dem flachen Lande verbliebenen Arbeiter^Einwandener in diesem Jahre nur etwa ein Sechstel beträgt, d. h. ein noch geringerer Anteil als im Vorjahr. Diese Tatsache, wie sie sich für die erste Jahreshälfte 1934 ergibt, stimmt besonders nachdenklich, da die äußerst nachteiligen Folgen nicht ausbleiben können, wenn diese ungesunde und wirtschaftlich anormale Tendenz weiter anhält. Hoffen wir, daß die nunmehr getroffenen Maßnahmen in der Verteilung der Zertifikate und in der Beeinflussung der Arbeiterfluktuation in absehbarer Zeit in dieser Hinsicht eine wirkliche Erleichterung bringend III. Landwirtschaft und Kolonisationswerk. Und dennoc^i ist der Weg im abgelaufenen jüdischen Jahr breiter gelegt worden Die sich auftürmenden Hindernisse haben die Grundrichtung der