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Palästina · 1934-11-01 · Heft 11 (November 1934) · p. Seite 455

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Journal
Palästina
Volume
17 (1934)
Issue
Heft 11 (November 1934)
Article
Die jüdische Wirtschaft und ihre Entwicklungstendenzen
Date
1934-11-01
Page
Seite 455 (sequence 7)
Language
German
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zusätzliche Entwicklungsmöglichkeiten und erhöht damit das Wirtschaftsniveau, wenn es in engstem Bündnis mit dem ökonomischen Aufbauwillen der menschlichen Arbeitskraft steht, die Arbeitsmöglichkeiten entsprechend erweitert und sie so beeinflußt, daß damit eine Ausweitung der Arbeitsbasis im Wirtschaftsprozeß und eine beschleunigte fortwährende Eingliederung neuer Arbeitskräfte erfolgt. Das einströmende Kapital erfüllt seine Funktionen und seine Aufgaben nur dann voll und ganz, wenn sein Ausmaß in Proportion zu der einströmenden Arbeitskraft steht. Ist dies nicht der Fall, beisiteht eine Disproportion zwischen diesen beiden Einwanderungsfaktoren, so ergeben sich1 wirtschaftliche Unzuträglichkeiten. Die Vorgänge im abgelaufenen Jahre haben dies hinreichend bewiesen. Man sieht also, wie die Bewertung der wirtschaftlichen Vorgänge im Lande sich immer wieder um den Kreis bewegt, dessen Ausgangs- und Schlußpunkt die Steigerung der Einwanderung ist, in erster Linie aber unter den jetzigen Umständen der arbeitenden Einwanderung. In den letzten Wochen ist, wie bekannt, eine zusätzliche Genehmigung von 1200 Zertifikaten von der Regierung erteilt worden. Gemessen am effektiven Arbeitsbedarf fällt diese an sich gewiß erfreuliche Tatsache zur Abhülfe der bestehenden scharfen Knappheit an Arbeitshänden jedoch nur gering ins Gewicht. Man spricht damit eine Selbstverständlichkeit aus, wenn gesagt wird, daß die Einwanderung die einzige wirkliche Tragkraft des gesamten Wirtschaftsaufsohwunges ist, in dessen Zeichen das Land steht. Und doch muß es immer wieder ausgesprochen werden in Anbetracht der immer wiederkehrenden Argumentation der „Absorbationskraft" des Landes, Wie oft haben: wir noch in der jüngsten Zeit die auf diese vermeinitHche Absorbationskapazität sich stützende Beweisführung gehört und gelesen. Aber gibt es denn überhaupt eine absolute Absorbationskapazität der Wirtschaft an Menschen? Mau darf die Tatsache nicht außer Acht lassein, daß es sowohl /dünn ber siedelte Gebiete mit beschränkter Aufnahmefähigkeit gibt, die aber im wesentlichen der ökonomischen Rückständigkeit selbst entspringt, als auch dicht besiedelte Gebiete mit einer hochentfalteten Wirtschaft, deren Aufnahmespielraum noch relativ breit gezogen ist. Die Kapazitätskraft einer Wirtschaft an Menschen ist kein konstanter Begriff, sondern ein nur relativer Ausdruck. Schreitet die Ausweitung der Wirtschaftstätigkeit fort, beschleunigt sich' die Differenzierung in der volkswirtschaftlichen Arbeitsteilung, dehnt sich die; Produktionskapazität aus und steigert die Exportgegebenheiten, die zugleich die Einfuhrmöglichkeiten heben, so ist damit eine wachsende Aufnahmefähigkeit des Landes an Menschen verbunden. Dies alles sind Faktoren, wie wir sie in den letzten Jahren in steigendem Maße beobachten konnten, Faktoren, durch die jüdische Einwanderung ausgelöst und die ihrerseits die wirtschaftliche Aufnahmefähigkeit Palästinas an neuen Menschen dauernd erhöht haben. Die jüdische Einwanderung erscheint hier nicht als vorübergehender Ausgleichsfaktor zur Ergänzung des Arbeitsbedarfes. Sie ist vielmehr der eigentliche Träger der Arbeitskraft und der Unternehmerinitiative, sie ist der wirkliche; Träger des Kolonisationswerkes im Lande und der Grundpfeiler des Wirtschaftsaufbaues überhaupt. Und das Ergebnis ist eine gesteigerte Saugkraft der Wirtschaft an Neueinwanderern; rund 40.000 Personen sind 1933 eingewandert (einschließlich Ingehörigen). Und doch zeigt das Jahr 1934, das im Zeichen eines ausgesprochenen Arbeitermangels steht, wie groß noch! die Auf-j nahmekraft der Wirtschaft an Menschen ist.

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