Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 17 (1934)
- Issue
- Heft 11 (November 1934)
- Article
- Die jüdische Wirtschaft und ihre Entwicklungstendenzen
- Date
- 1934-11-01
- Page
- Seite 454 (sequence 6)
- Language
- German
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nicht übermäßig anzustrengen, um diese Lösung zu finden und es gehört dazu nicht die Anwendung aller ökonomischen Ueberlegung, um diese Lösung zu begründen. Der Schlüssel zu der Lösung steckt in der Einwanderujigstür, die die Regierung nur ein wenig weiter zu öffnen braucht. II. Einwanderung und Wirtschaftsaufstieg. Damit berühren wir den wichtigsten und entscheidensten Punkt in der Entwicklungsperspektive des Landes überhaupt. Es gibt kein Problem, das so tief in die ökonomischen Grundlagen der Volkswirtschaft und in die sozialen Grundelemente des Jischuws eingreift, wie das Einwanderungsproblem. Seine Erörterung und Bewertung rollt den gesamten Fragenkomplex des Daseins und des Werdens einer jüdischen Wirtschaft hier im Lande auf» sie berührt darüber hinaus die Frage der einzigen Zuflucht der Juden anderer Länder, zumal in der heutigen bewegten Zeit. Man nehme sich nur die Einwanderungs,- ziffern in ihrer Aufgliederung nach Ländern vor. Das größte Kontingent stammt aus Polen; rund zwei Fünftel alier Einwanderer im ersten Halbjahr 1934 haben Polen als Ursprungsland, eine Tatsache, die wir auch aus den Vorjahren kennen. Am Rande des wirtschaftlichen Ruins stehen große Teile des polnischen Judentums, dessen einzige Zufluchtsstätte seist jeher Palastina ist. Was aber die gegenwärtige Einwanderungsstruktur charakterisiert, ist die anschwellende Immigration aus Deutschland, das nunmehr mit einem Anteil von fast einem Viertel an die zweite Stelle unter den Herkunftsländern der jüdischen Einwanderung nach Palästina gerückt ist. Wirtschaftlich in seiner Existenz zerrüttet, sozial und daher auch seelisch bis ins Innerste getroffen, hat das Schicksal große Teile des deutschen Judentums neu orientiert, und es auf die Einwanderung in ein Land verwiesen mit bereitem Aufnajunewillen, aber mit künstlich gehemmtem Aufnahmevermögen. Diese beiden Länder, Polen und Deutschland, stellen allein fast zwei Drittel der gesamten Einwanderung des ersten Halbjahres 1934. Aber nicht nur in ihrer Gliederung nach Ländern, sondern auch in ihrem Grundgerüst hat sich die Einwanderungsstruktur wesentlich verändert. Die Tendenz der letzten Jahre geht in Richtung einer gewissen Schwergewichtsverlagerung zugunsten der „Kapitalisteneinwanderer". Insgesamt hat sich die Einwanderung für die erste Jahreshälfte 1934 um etwa die Hälfte gegenüber der entsprechenden Zeit des Vorjahres gehoben. Der Anteil der Einwanderer der Kategorie A 1 (Kapital mindest 1000 Pfund), der im ersten Halbjahr , 1933 rund 8o/o betrug, stieg in diesem Jahre auf rund 12o/o. Andererseits ist der Anteil der Zertifikatinhaber von rund zwei Fünftel auf rund ein Drittel gesunken (alles ohne Angehörige). Man sieht daraus, daß bei einer absoluten Zunahme der Einwanderungskaljegorien sich relative Verschiebungen zu Ungunsten der Arbeiter-Einwanderung ergaben. Die Immigration von Kapitalinhabern bedeutet in ihrer wirtschaftlichen Bewertung natürlich eine erhöhte? Kapitalbasis für die Volkswirtschaft, eine Tatsache, die zweifellos für ein Land, das sich anschickt, seine wirtschaftliche Rückständigkeit zu beheben, von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist. Aber andererseits bedeutet ein wenn auch relativer Rückgang der Einwanderer ohne Kapital eine geschmälerte Wirksamkeit der produktiven Arbeitskraft als Wirtschaftsfaktor. Und wir wissen, daß eine Wirtschaftsentfaltung nicht allein vom Kapital und der Ausdehnung seines Volumens getragen werden kann. Kapital schafft erst dann