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Palästina · 1934-11-01 · Heft 11 (November 1934) · p. Seite 453

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Journal
Palästina
Volume
17 (1934)
Issue
Heft 11 (November 1934)
Article
Die jüdische Wirtschaft und ihre Entwicklungstendenzen
Date
1934-11-01
Page
Seite 453 (sequence 5)
Language
German
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des „eingefrorenen" Kapitals für die jüdische Wirtschaft herbeiführen. Nicht genug damit, es würde auch gleichzeitig eine merkliche Verringerung ider Spanne zwischen den Debet- und Kreditzinsen herbeigeführt und hierdurch ejjne ergiebigere Anpassunng der Zinsverhältnisse an die Wirtschaftsbedingungen erzielt werden. Denn es braucht nicht besonders betont zu werden, daß die Aufrechterhaltung einer übertriebenen Liquidität (die Mittel werden zum großen Teil zu geringen Zinssätzen in englischen Staats- und Wertpapieren angelegt) in ihrer indirekten Wirkung eine überhöhte Zinsbelastung des Kreditbedürftigen bedeutet, und alles in allem nichts arideres als eine künstliche Einschnürunng der gegebenen Investierungsmöglichkeiten. Selbstverständlich gehört es nicht zu den Aufgaben der Banken, einer unerwünschten Investierungslust Rechnung zu tragen und somit etwaige ungesunde Kapitalanlagen zu fördern. Aber dies schließt die Tatsache nicht aus, daß die Bankpolitik sieh nicht wie bisher in so engen Grenzen rein banktechnischer Geschäfte bewegen darf, sondern die Banken müßten in ihrer Finanzierungstätigkeit gerade hier im Lande zu ausschlaggebendem und dirigierendem Antriebshebel in der Wirtschaftsentwicklung werden. Weiterhin dürfen wir uns nicht der Tatsache verschließen daß die jüngste Zeit in der Verteilung der Arbeitskraft keine Erleichterung gebracht hat. Das Fluktuieren der Arbeiterschaft hat ununterbrochen angehalten und sich noch verschärft, zumal die Abwanderung vom Land zur Stadt in keiner auch nur annähernden Proportion zum Zustrom stand und von den Neueinwanderern immer größere Kontingente in den Städten verblieben sind. Wie angespannt die Lösung der Frage der Versorgung mit Arbeitskraft gerade auf dem flachen Lande geworden ist, vermag allein die Tatsache zu erhellen, daß zeitweilig von ernst zu nehmender Seite erwogen wurde, eine gewisse Regulierung der Arbeitskraft auf dem Wege einer Abmanövrierung von Arbeitern des Baugewerbes zur Landwirtschaft zu erzielen. Man mag diesen Vorschlag und seinen Nutzeffekt ökonomisch beurteilen wie man will. Er beleuchtet aber grell die verzweifelte Situation auf dem Arbeitsmarkte. Dieser Vorschlag erinnert an jenen armen Mann, von dem die Fabel erzählt, daß er infolge gewachsener Körpergröße und vollständigem Fehlen an Mitteln vor der Frage stand, ob er die Rockärmel verlängern soll, indem er die Weste kürzt oder umgekehrt. Denn der Bau bedeutet in seiner stürmischen Bewegurfg einen Ausdruck des stark erhöhten Bedarfes an Wohnungen, dessen Deckung in Anbetracht der verstärkten Neueinwanderung binnen einer kurzen Zeit zu einer zwingenden Notwendigkeit geworden ist. Ein Abfluß von Arbeitskräften in die Landwirtschaft würde mit einer Stockung in der Bautätigkeit, wenigstens unter den gegebenen Verhältnissen, verbunden sein, und die Frage ist, welches Ausmaß diese Stockung annehmen kann und ob sie für die Wirtschaft tragbar ist. Andererseits leidet aber die Landwirtschaft unter der sich verschärfenden Knappheit an Arbeitshänden ungewöhnlich. Man bedenke nur, daß bei der bedeutenden Vergrößerung der Anbauflächen der Anteil der jüdischen landwirtschaftlichen Arbeiter gegenwärtig nicht mehr als rund ein Drittel beträgt, während er noch' wenige Jahre vorher mehr als die Hälfte ausmachte. Es sind in letzter Zeit große Anstrengungen gemacht worden, die Fluktuation der Arbeitskräfte in Bahnen zu leiten, die mehr oder weniger in Einklang mit der Wirtschaftsentfaltiing stehen. Wie dem auch sei, die Lösung dieses Problems ist eine der wichtigsten Vorausbedingungen zur Fortentwicklung der Wirtschaft. Man braucht sich

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