Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 17 (1934)
- Issue
- Heft 11 (November 1934)
- Article
- Die jüdische Wirtschaft und ihre Entwicklungstendenzen
- Date
- 1934-11-01
- Page
- Seite 452 (sequence 4)
- Language
- German
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in der Anpassung der Produktion an den Markt, es zeigen sich Unzuträglichkeiten im Geschäftsgebaren und in der Betriebsorganisation; traditionell überkommene Gewohnheiten in der Betriebsfiührung und -leitung geben no»ch immer vielfach den Ausschlag. Aber nicht nur daran denken wir in diesem Zusammenhange. Viel entscheidender ist im Bereiche der Kreditwirtsch'aft die geringe Elastizitätsfälligkeit der jüdischen Bankinstitutionen am Kreditbedarf der Wirtschaft. Die hohe Zinsspannei die Diskrepanz zwischen den Debet- und Kreditzinsen, die übertriebene Zurückhaltung in der Gewährung von Mitteln, die den Aufbau des Landes bes-cMeunigen sollen, haben in den letzten Jahren zweifellos fühlbar hemmend gewirkt. Vorsicht (sogar in übertriebener Form) in der Kreditgewährung ist natürlich überall und zu jeder Zeit geboten. Aber ebensowenig wie Waghalsigkeit ntfch keinen Heldenmut bedeutet, ebenso gleicht Aengstlichkeit aus einer bestimmten zeitbedingten Psychose, die ja nicht einmal im Lande selbst begründet ist, sondern außerhalb des Landes, einer rationell gegebenen und wünschenswerten Vorsicht in der Bereitstellung von Mitteln für produktive Zwecke des Wirtschaftsaufbaues. Wie oft wurde in den letzten Jahren von dem brachliegenden Kapital in den Banken gesprochen. Ueber 12 MilL pal. Pfund sollen bei den Banken aufgespeichert sein, nicht Fluchtkapital, sondern zum überwiegenden Teil investitionssuchendes Kapital. Und welche Verwertungsmöglichkeiten sind denn für dieses Kapital bisher geschaffen worden? Es ist unzutreffend, wenn angenommen werden würde, daß die Investitionsmöglichkeiten im Vergleich zum Kapitalzustrom eng begrenzt seien. Vielfache Beispiele und Belege a,uf Grund von Erfahrungen durchaus erster Institutionen können das Gegenteil beweisen. Es ist klar, daß Investierungslust allein noch nicht reale Investierungsmöglichkeit bedeutet. Aber wenn man bedenkt, daß der Anteil der Inlandsproduktion an der Bedarfsdeckung der Wirtschaft noch immer verhältnismäßig gering ist, daß andererseits Waren aus dem Auslande bezogen werden, deren Erzeugung im Inlande nicht nur besteht, sondern ohne besonderen Aufwand schnell ver;- größert werden könnte, so zeigen sich darin eindeutig die potentiellen zusätzlichen Investitionsmöglichkeiten für das bei den Banken angesammelte „tote" Kapital, In welcher kapitalistischen Wirtschaft, die im Zeichen eines Wirtschaftsaufschwunges steht, wäre es denkbar, daß das einströmende Kapital (und hier betonen wir wieder, daß es nicht Fluchtkapital ist), das Investitionen sucht, sich dennoch von Jahr zu Jahr bei den Banken mehr und mehr aufspeichert, ohne der Wirtschaft irgend welchen Nutzen zu bringen? Gewiß hat sich das Kreditvolumen in den letzten Jahren in Einklang mit der Ausdehnung der Wirtschaftstätigkeit vergrößert, aber zwischen der Ausweitung des Wirtschaftsvolumens und der Ausdehnung des Kreditumfanges besteht eine unzweideutige große Disproportion. Und aus diesem Grunde kann sich auch der vor sich gehende Umgestaltungsprozeß in der Wirtschaft in seinen Größen- Proportionen im Kapital- und Kreditmarkt nicht vollkommen widerspiegeln- Wenn es heißt, daß der Liquiditätssatz bei den jüdischen Großbanken sich um die Höhe von 50 bis 6Ö0/0 bewegt, so könnte man fragen!, worin diese auffällige Höhe der Liquidität begründet liegt. Eine Beweisführunng, die sich auf „gebotene Vorsicht" stützt, und die Tatsache anführt, daß ein großer; Teil der Einlagen kurzfristiger Natur ist, reicht nicht aus, um diesen Liquiditäts.- satz zu rechtfertigen. Eine gewisse, auch nur eine ganz geringe RöduzieirungJ dieses Satzes könnte zweifellos eine entspreehenjde Aktivierung einete Teiles