Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 17 (1934)
- Issue
- Heft 11 (November 1934)
- Article
- Die jüdische Wirtschaft und ihre Entwicklungstendenzen
- Date
- 1934-11-01
- Page
- Seite 451 (sequence 3)
- Language
- German
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Natur nach meist auch ausgesprochen spekulativ bedingt waren. In ihrer Wirkung bedeuten solche Zwischentransaktionen schließlich' nichts anderesi als eine künstliche Heraufschraubung der ohnehin hohen Preise, sie bedeuten eine beträchtliche Mehrbelastung für den eigentlichen Ansiedler auf dem flachen Lande, aber auch für den wenig bemittelten städtischen Bodenerwerber. Die geschwächte Finanzkraft der nationalen Fonds, die in der Aufbringung der Mittel in den von der Weltwirtschaftskrise betroffenen Ländern die größten Anstrengungen machen müssen, und noch darüber hinaus innerhalb bestimmter jüdischer Kreise selbst auf eine gewissenlose Gegenpropaganda stoßen, vermochte bisher kaum der sich immer mehr ausbreitenden Spekulation wirksame Riegel vorzuschieben. Mit einem Anteil von reichlich der Hälfte steht zwar der Keren Kajemeth nach wie vor an der Spitze der Bodenauslösung. Während des oben genannten Zeitraumes sind vom Keren Kjajenii&th 69.100 Dunam erworben worden, jedoch müssen 18.500 Dunam der Khilath Zion (Amerrcan Zion Commomvealth) abgezogen werden, so daß die gesamte von 2hm erworbene Neufläche sich nur auf 50.600 Dunam stellt. Aber man muß beachten, daß der verbleibende Teil im Bodenerwerb, der die Domäne des Privatkajpitals darstellt, einen immerhin großen Spielraum gerade für rein spekulative Betätigung bietet. Und wie häufig staaid selbst das produktive Privatkapital den aus der Spekulation resultierenden Schwierigkeiten hilflos und verzweifelt gegenüber. Man denke nur in diesem Zusaanmenhange an die vielen Schwierigkeiten, denen eine Anzahl neugegründeter Industrie- und Handelsbetriebe begegnet sind, infolge der spekulativ stark überhöhten städtischen Bodenrente und damit auch der Uebersteigerung des Mietzimses. Eine etwas primitive Anschauung will beweisen, daß die Spekulation, wie sie sich in der jüngsten Zeit offenbart, in ihren negativen Wirkungen nicht überschätzt werden darf. Denn — so argumentiert sie — schließlich gewinne doch der Eine, was der Andere verliert, und letzten Endes handle es sich doch deshalb lediglich um eine Kaipitalumsdhichitung. Diese Argumentation verliert an Sinn, wenn man bedenkt, daß der Gewinnende in diesem Falle do'eh eigentlich der Spekulant ist, dessen Gewinne überdies nicht dem produktiven Investitionsprozeß zugeführt werden, sondern, wie die Erfahrung der Neuzeit zeigt, vielmehr zur Weiterausdehnung seines „Geschäftes" dienen; was dieses „Geschäft" ist, wissen wir bereits zur Genüge. Seime Entfaltung stellt keineswegs eine erfreuliche Erscheinung der gegenwärtigen Wirtschaftsentwicklung dar. Andererseits ist der Verlierende kein anderer als der eigentliche Träger der produktiven Funktionen und Aufgaben im Wirtschaftsaufbau, d. h. der Ansiedler, vor allem aber der arbeitende Ansiedler, jedoch aber auch der städtis'che Unternehmer. Man mißverstehe nicht: Spekulation gehört natürlich zum Wesen der kapitalistischen Wirtschaft mit ihren Markt- und Preisverhältnissen. Aber nicht auf die Tatsache der Spekulation an sich kommt es an, sondern auf die verhängnisvollen Formen und auf das Ausmaß und die daraus entspringenden lähmenden Wirkungen. Blicken wir uns weiter um, so beobachten wir wiederum eine Erscheinung, die in ihren Folgen nur negativ gewertet werden kann, nämlich die tiefe Kluft zwischen der Fortschrittlichkeit im Aufbau und der Rückschrittlichkeit in den Voraussetzungen, die gerade diesen Aufbau forcieren und ihn auf organische Wachstumsbasis bringen sollen. Es fehlt an notwendiger Elastizität in der Tätigkeit vieler Wirtschaftsinstitutionen, es mangelt an einer Beweglichkeit