Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 17 (1934)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1934)
- Article
- Jewish Agency. Von Spectator.
- Date
- 1934-10-01
- Page
- Seite 415 (sequence 3)
- Language
- German
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Zusammensetzung und der Kompetenzen des Rates zu beeinflussen, ist unter diesen Umständen als ein Kompromiß kochst unpopulär. Nach den bis jetzt allein laut gewordenen Stimmen hat man den Eindruck, daß die Juden überzeugt sind, ein Gesetzgebender Rat könne im Falle jüdischer Negation überhaupt nicht zustande kommen. Daß sich durch solche Ablehnung das Verhältnis zur Mandatarmacht überaus verschlechtern würde und daß der High Commissioner erklärt hat, er werde auch bei Abstinenz einer Gruppe den Gesetz* gebenden Rat schaffen, wird bisher nicht beachtet. Selbstverständlich hat keine einzige jüdische Stimme es bisher gewagt, die nationale Disziplin zu durchbrechen; alle sonst nicht durchaus der Einheitsfront des Jisdhüw sich einfügenden Elemente, wie z. B. die Farmer oder die Agudas Jisroel, haben sich beeilt, die Erklärung abzugeben, daß sie in dieser Frage nur im Einklang mit dem ganzen Jischuw handeln werden. Man kann annehmen, daß in London der High Commissioner auch mit Exponenten der Jewish Agency in enge Fühlung treten wird und diese werden ihm zweifellos die Stimmung der jüdischen Stellen bestätigen. Man muß aber darauf geifaßt sein, daß der nächste Winter wichtige politische Auseinandersetzungen bringen wird. Die Jewish Agency ist in der letzten Zeit diplomatisch auch sonst aktiv gewesen. Der Leiter des Politischen Dezernats, Schertock, besuchte London und andere politische Zentren und hat auch dem Emir Abdalla, einen der Hauptexponenten der arabischen Politik, mehrere Besuche abgestattet. Die Hauptfrage der zionistischen Politik ist nach wie vor die Verstärkung der Einwanderung. Hierbei handelt es sich nicht allein um die Ziffern. Denn nach den jetzigen offiziellen Einwanderungsziffern dürften im Jahre 1934 (einschließlich der „illegalen" Einwanderer) fast 50.000 Juden einwandern, eine sowohl absolut als auch relativ sehr bedeutende Ziffer. Trotzdem aber machen sich gerade an entscheidenden Stellen innerhalb des schnell wachsenden jüdischen Gemeinwesens Vakanzen fühlbar. Vor allem die landwirtschaftliche Lohnarbeit, die ihrer Natur nach in Palästina wie überall in der Welt, am schlechtesten bezahlte Tätigkeit, geht immer mehr von jüdischen in arabische Hände über. Die hohen Löhne in der Stadt, insbesondere bei der Bauarbeit, haben eine unwiderstehliche Anziehungskraft. Dies ist ein Ökonomisches „Naturgesetz", aber abgesehen davon, würde die jüdische Arbeiter* schaft gar nicht damit einverstanden sein, daß Araber in die städtische Arbeit eindringen, so daß sie also den Zustrom von Juden begrüßen. Die in der Landarbeit entstehenden Lücken müßten nun durch neue Einwanderer aufgefüllt werden. Daß dies trotz der großen monatlichen Einwanderung nicht geschieht, ist ein eigenartiges Phänomen, für das der Chefsekretär der Palästina^ Regierung bei seiner Vernehmung vor der Mandatskommission des Völkerbundes die Erklärung zu geben versuchte, viele der auf Zertifikate einwandern-* den Juden seien in Wahrheit gar keinje Arbeiter, so daß es nicht Schuld der Regierung sei, wenn kein genügender Arbeiternachwuchs vorhanden ist. Der Mangel an jüdischen Arbeitern ist auch für zahlreiche Pflanzer und Pflanzergesellschaften die naheliegende Entschuldigung dafür, daß sie in höherem Maße arabische Arbeiter einstellten. Der scharfe Kampf, der von der jüdischen Arbeiterschaft um das Prinzip der rein jüdischen Arbeit geführt wird, bekommt, so betrachtet, etwas von dem Charakter eines Kampfes gegen Windmühlen. Selbstverständlich soll das Prinzip, mögliehst viele Arbeitsplätze innerhalb des jüdischen Wirtschaftssektors für Juden freizuhalten, durch-