Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 17 (1934)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1934)
- Article
- Jewish Agency. Von Spectator.
- Date
- 1934-10-01
- Page
- Seite 414 (sequence 2)
- Language
- German
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in bezug auf den Arlosoroff-Mord Beschuldigungen erhoben wurden, die die Arbeiterpartei nicht akzeptieren konnte. Später hat die Arbeiterpartei selbst einen allgemein gehaltenen Aufruf zur Herstellung des Friedens veröffentlicht, der aber auch keine konkreten Resultate hatte. Nunmehr hält anscheinend die Exekutive die Angelegenheit für reif zu einer abschließenden Behandlung;. Zu diesem Zweck sind Verhandlungen für den Monat Oktober in London angesetzt worden. Diese Verhandlungen haben offenbar gleichzeitig den Zweck, den künftigen Zionistenkongreß vorzubereiten, da bei dem jetzigen Zustand der Bewegung ein Kongreß schwerlich zu einem Ergebnis führen wird. Als ein Vorspiel zum Kongreß ist wohl auch die organisatorische Einigung der beiden Gruppen der Allgemeinen Zionisten auf einer Konferenz in Krakau zu betrachten. Demgegenüber hat sich im Misrachi eine Art Spaltung vollzogen, indem die gegen den heutigen Kurs des Weltmisrachi in Opposition stehenden Kräfte sich zu einer neuen Organisation Misrachi ha Wathäk vereinigt haben. In Wahrheit geht es bei all diesen Umgruppierungen natürlich um mehr als um rein organisatorische Fragen. Im Hintergrund steht das Zentralproblem der zionistischen Politik. Die durch den Revisionismus in den zionistischen Reihen verursachte Unruhe drängt zu einer Entscheidung. Die Revisionisten bilden außenpolitisch — in der Zusammenarbeit mit England und bei, allen Kooperationsversuchen mit den Arabern — eine schwere Belastung und sie stellen durch ihren ins extrem getriebenen politischen Nationalismus und Gewaltbejahung den Zionismus vor die Entscheidung über sein Verhältnis zu Grundwerten des jüdischen und menschlichen Geistes. Es läßt sich beobachten, daß die Revisionisten als Partei über einen bestimmten kleinen Kreis nicht hinauskommen, ja sie werden selbst von der von ihnen abgesplitterten Staatspartei abgelehnt, aber der Einfluß ihrer Methoden und Denkungsart reicht weit in die anderen Gruppen hinüber. Sie beeinflussen auch die praktische Politik insofern, als bei manchen wichtigen Fragen unverkennbar die anderen Parteien von der Angst besessen sind, als allzu gemäßigt) oder in der üblichen Terminologie als „Verzichtspolitiker" oder gar ^Verräter" abgestempelt zu werden. Dieses psychologische Moment, das aus der Parteikonkurrenz resultiert, ist eines der schwersten Hemmlnissö der Fortentwicklung des politischen Denkens im Zionismus. Palästina steht nach einer Zeit politischer Ruhe offenbar am Vorabend grundlegender Entscheidungen. Der High Commissioner, Sir Arthur Wauchlope, ist nach London abgereist, nicht ohne vorher mit allen palästinensischen Gruppen, auch mit den Revisionisten, Fühlung genommen zu haben. Der High Commissioner steht auf dem Standpunkt, daß E;ngland sein im Oktober 1930 zum zweiten Male gegebenes Versprechen, die palästinensische Verfassung im Sinne einer stärkeren Heranziehung der Bevölkerung zu reformieren und zu diesem Zweck einen Gesetzgebenden Rat einzurichten, halten muß. Er hält den Zeitpunkt für gekommen. Welche konkreten Vorschläge er zu machen hat, ist der Oeffentlichkeit bisher nicht bekannt, obwohl in der palästinensischen Presse bereits Vermutungen laut geworden sind. Die jüdische Meinung interessiert sich aber nicht so sehr für die Details, weil laut Beschluß' des Zionistenkongresses und der repräsentiven Organe des Jisehuw die Juden? jede Art Gesetzgebenden Rates zu boykottieren entschlossen sind. Die Ansicht, daß man . mit der Einführung des Gesetzgebenden Rates als einem Faktum rechnen muß und daher bemüht sein sollte, die Art und Weise der