Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 17 (1934)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1934)
- Article
- Das Wohnungsbauproblem in Palästina
- Date
- 1934-10-01
- Page
- Seite 411 (sequence 11)
- Language
- German
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weist für die Städte Tel-Aviv und Haifa immer noch, erstaunlich hohe Ziffern im Vergleich mit selbst ungünstigen Verhältnissen im Ausland auf. Bei einem Rückgang der Mieten würde die Bautätigkeit vermutlich etwas nachlassen, andererseits aber eine größere Nachfrage nach Wohnraum seitens der bisher beengt lebenden Mieter eintreten. 2. Da die hohen Mietpreise also nicht etwa Ursachen der Wohnungsnöte, wie oft gehört, sondern ihre Folgeerscheinungen darstellen, muß klar sein, daß eine Lösung des Zentralproblems, nämlich die Beschaffung ausreichender Wohnräume nur durch die Fortführung der Bautätigkeit nach Maßgabe des Wöhn- Ibedarfes erfolgen kann. Die Einwanderung sowie der intern hervorgerufen« Mehrbedarf an Wohnraum sind die entscheidenden Indizes für die Beurteilung! ob die Bauwegung in normalen Grenzen verläuft. Die teuren Bau- und Bodenkosten, obwohl oft genug von größter Wichtigkeit, sind nicht ausschlaggebend, da auch sie vom Verlauf der Einwanderung mitbestimmt werden. Ein Blick auf die Kurve der Einwanderung, Baubewegung und Arbeitslöhne zeigt die Zusammenhänge ohne weiteren Kommentar. 3. Aus dem unter 1 und 2 Gesagten geht logisch hervor, daß eine Stockung der Einwanderung oder gar eine nennjenswerte Auswanderung von entschfei;- dendem Einfluß auf die Gestaltung des Wohnungs- und Baumarktes sein würde. Schon die stabilen Verhältnisse in Jerusalem, das nur eine geringe Einwanderung hat und gleichzeitig eine nicht zu nuterschätzende Bautätigkeit aufweist, zeigen den Einfluß der auf Sicherung der Mieten und des Kapitals gerichteten privatwirtschaftlichen Erwägungen. Angesichts der Unmöglichkeit, die kommende Entwicklung für längere Zeit im voraus zu übersehen, sollte für die von der Einwanderung am meisten berührten Städte eine beratende Instanz geschaffen werden, die die Entwicklung auf dem Baumarkt engsten» verfolgt und regelmäßig Hinweise und Empfehlungen über die Gestaltung der Baubewegung eventuell in Zusammenarbeit mit Stadtverwaltungen und Regierungsstellen gibt. Diese Instanz soll zweckmäßig aus Vertretern von Hypothekenbanken, Bauwirtschaft, Hausbesitzern und Stadtverwaltungen und Statistikern gebildet werden. 4. Für den großen Teil der Bevölkerung, dessen Einkommensverhältnisse mit den hohen Mieten in den Küstenstädten nicht im Einklang stehen, müssen von Staats wegen Erleichterungen geschaffen werden. Eine Maßnahme von prinzipieller Bedeutung war der Erlaß des Höchstmietengesetzes in Althäusern, weil damit grundsätzlich die Notwendigkeit von Regierungsinterventionen bestätigt wurde. Angesichts der Bedeutung der vorstädtischen Siedlung für die minderbemittelte Bevölkerung müssen weitere Akte der Regierung gerade auf diesem Gebiete erfolgen. Aus dem „Report of the Rents Inquiry Conimitee" soll hier statt w eiterer Ausführungen die Forderung dieses von der Regierung gebildeten Ausschusses zitiert werden: „Wir sind ferner der Ansicht, daß an die Stadtgemeinden zur Durchführung von Wohnanlagen für gewisse Bevölkerungsschichten Erleichterungen gegeben werden sollten. Uns ist der Mangel an geeigneten Unterkünften für die ganz Armen und für diejenigen, welche einen niedrigen festen Gehalt bekommen, besonders aufgefallen. Teure Wohnungen oder alleinstehende Häuser sind für Leute, welche sich das leisten können, zu haben. Aber es gibt viele Leute, die ein fixes Einkommen von weniger als 200 pal. Pfund jährlich haben, für die