Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 17 (1934)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1934)
- Article
- Das Wohnungsbauproblem in Palästina
- Date
- 1934-10-01
- Page
- Seite 406 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2379786-2379916-2379923-2401986--18357-2402244- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
zuerst zu untersuchen, warum die Mieten, vor allem in Haifa und Tel-Aviv, ihre enorme Höhe bewahren. Als Bestimmungsgründe der hohen Mieten lassen sich im wesentlichen folgende drei Ursachen feststellen: a) das Verlangen der Hausbesitzer nach einer möglichst hohen Verzinsung ihres Kapitals, b) hohe Grundstückkosten, c) hohe Baukosten. Dazu kommen allenfalls besonders hohe Aufwendungen für teure Hypotheken oder Immobiliarsteuern. Zu Punkt a) ist zu bemerken, daß diese Tendenz der Hausbesitzer tatsächlich in beträchtlichem Maße für die hohen Mieten verantwortlich ist. Der Versuchung, sich in Zeiten großer Konjunktur, insbesondere einer typischen Wohnungskonjunktur, durch hohe Mieteirinahimen schnell zu bereichern, erliegen tatsächlich viele Hausbesitzer. Allerdings soll keineswegs verkannt werden, daß die hohen Grundstücks- und Baupreise für die Rentabilitätsberechnung der Häuser sehr ins Gewicht fallen. Aber es handelt sich dabei um eine ganz evidente Wechselwirkung. Der Grundstücks- oder Hausbesitzer, der sein Haus verkaufen will, wird zur Erzielung eines hohen Preises für sein Objekt dessen hohe Rentabilität nur auf Basis hoher Mieten begründen können. Dadurch ist auch der Neuerwerber meist von vornherein gezwungen, will er die erhoffte Rentabilität des überteuert bezahlten Objektes sichern, weiter hohe Mieten zu verlangen. Aehnlich ist es beim Neubau eines Hauses. Der Arbeiter verlangt unter Hinweis auf die Mietsteigerung höheren Lohn und verteuert damit selbst wieder den Kostenfaktor „menschliche Arbeit", der in der Baukostenrechnung ja sehr bedeutsam ist. Der wesentlich teuere Gestellungspreis des Hauses zwingt den Bauherrn, auf höhere Mieten zu bestehen, als vor dem Boom. So ist eine beständige Rela;is-Wirkung im Gange, die letzten Endes von der Zahlungskraft des Mieters abhängt. Der Anteil der neuen Hausbesitzer an der Gesamtzahl wird im allgemeinen wohl etwas überschätzt. Die überwiegende Zahl der alten Häuser hat ihren Besitzer in den letzten Jahren nicht gewechselt. Für die Bauten auf neu erschlossenem Gelände gilt aber, daß sie ebenfalls zum größten Teil nicht zu den oft genannten Rekordpreisen erstanden worden sind, sondern meist vor Beginn des letzten Booms. Immerhin mag zur Veranschaulichung der Preisentwicklung in den Städten hier eine kurze Uebersieht folgen: Für Tel-Aviv ist die Steigerung der Preise an der nördlichen und östlichen Peripherie der Stadt besonders .charakteristisch. So konnte im Jahre 1926 für die Schchunath Hapoalim A im Norden der Stadt (zwischen Elieser Ben Jehuda und Jarkonstraße) ein Gelände für 170 pal. Pfund pro Dunam erworben werden. Vier Jahre später konnte ein daran angrenzender, wenn auch weiter entfernter Komplex noch für 85 pal. Pfund erstanden werden. Selbst im Jahre 1932 gelang es noch für die Arbeitersiedlung D, die allerdings schon in der Nähe des Ausstellungsgeländes liegt, den Dunam für 70 pal. Pfund zu kaufen und in der Dizengoffstraße einen größeren Komplex für 85 pal. Pfund. Dann begann, zunächst langsam und später immer schneller, eine unaufhaltsame Steigerung. Im November 1932 mußte für die Siedlung des Hamaavir in der Gegend der vorgenannten Komplexe ein Preis von 250 pal. Pfund angelegt werden, im Januar