Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 17 (1934)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1934)
- Article
- Bewässerung - das Hauptproblem Palästinas
- Date
- 1934-10-01
- Page
- Seite 396 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2379786-2379916-2379923-2401985--18346-2402234- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Daß wir heute keine Ruinen dieser Bauwerke besitzen, ist darauf zurückzuführen, daß Meliorationsanlagen nach ihrer Eigenart keine mächtigen Bauwerke darstellen, die Jahrtausenden trotzen^ oder deren Trümmer lebendige Zeugen wären, sondern die Kanäle und Dämme, oder selbst Mauern im Gebirge unterliegen leicht der Zerstörung und Verwüstung, während ihr Wiederaufbau ungeheure Mühe kostet. Ueber die überragende Bedeutung der Talsperrenbauten in dem an Palästina angrenzenden alten Arabien finden wir in den Ueberlieferungen eingehende! Schilderungen. Eine solche, Ritters „Erdkunde" entnommen, wollen wir hier anführen: „Um den Ueberfluß des Wassers im Gebirge aufzubewahren, und für das Land nutzbar zu machen, habe Lokman3 König von Jemen, einen hohen Damm mit Schleußen zwischen zwei Bergen erbaut, um nach Belieben dem Wasser Abzug zu geben und das Land zu bewässern. Seitdem ward Mareb, das Land der Sabäer, zum schönsten Fruchtgarten, ein weites Paradies voll von Bergen, Strömen, Kanälen, Lust- und Obsthainen, voll schönen Gebäuden, bewohnt von zahlreichen, glücklichen, gerechten und gastvollen Völkern, deren Gesetze von allen anderen aner-* kannt waren, die über alle Nachbarvölker herrschten und gleich dem Diadem auf dem Sterne des Universums glänzten. Die 30 Schleußen, welche die Wässer aus dem Damm durch die fruchtbarste Landschaft leiteten, wurden aber alt und wankten, viele der Einwohner sahen den Einsturz des Dammes voraus und wanderten, eine Verheerung fürchtend, aus >... Nach diesen Emigrationen gefiel es nach dem Koran (nach Lacy, 150 bis 170 n. Chr.) Allah nicht länger, den Damm bestehen zu lassen, er war unterwühlt, brach ein und dije Flut verwandelte das Land in eine Wüste." Wie kam es nun, daß angesichts der Tatsachen, daß im Orient die Sammelwasserwirtschaft die ausschlaggebende ist, das System der Brunnenbohrungen in Palästina so überhand nehmen konnte:? Wahrscheinlich deswegen, weil in Palästina über die Nutzung der Wässer eine unrichtige Meinung vorherrschte und von Seiten der leitenden Wirtschaftsfaktoren und der Obrigkeit nicht viel dazu beigetragen worden zu sein scheint, um diesen Grundfehler aufzudecken und \die Bewässerung in andere, naturgemäßere Bahnen zu lenken. Vielfach war aber, sofern die jüdische Kolonisation in Frage kommt, also die jüdische Tätigkeit, in der Frage der Bewässerung, die Entwicklung der jüdischen Siedlung schuldtragend an der Ausbildung dieses Systems der Wassernutzung für die Landwirtschaft. Der Mangel an Erkenntnis von der Bedeutung des Wassers als Produktionsfaktor ersten Ranges für die palästinensische Landwirtschaft, die Gründung der ersten jüdischen Kolonien auf Ackerbau in der althergebrachten Weise der Fellachen, wenn auch mit modernen Hilfsmitteln, oder aber auf Weinbau (ohne Bewässerung), das spätere Hinzukommen der Zitruskulturen, naturgemäß von privaten Wirtschaften auf Einzelflächen gegründet, der Umstand, daß die zionistische Organisation nicht große, zusammenhängende Flächen auf einmal in die Hand bekam, die Basierung auch der ersten zionistischen Kolonien auf extensiven Ackerbau, trotz Anwendung der modernsten technischen Bearbeitungsmittel und trotz Ersatzes der Be« Wässerung durch Dryfarmingkultur, das Abseitsliegen des jüdischen Besitzes von namhaften fließenden Gewässern und ausgiebigen Quellen, mit einem beständigen Minimalwasser zur Zeit der intensivsten Vegetation, das alles führte