Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 17 (1934)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1934)
- Article
- Bewässerung - das Hauptproblem Palästinas
- Date
- 1934-10-01
- Page
- Seite 395 (sequence 3)
- Language
- German
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Es hat sich langsam die Ueberzeugung herausgebildet, die auch' schon die Araber in großem Maße ansteckte (die allein im vergangenen Jahr gegen 500 Brunnen gebohrt haben sollen, nach einer Mitteilung, die mir M. Smüanski machte), daß die Versorgung mit Grund- und artesischem Wasser, die einzig richtige Bewässerungsmethode darstellt. Nichts ist befremdlicher für einen Fachmann, dem die Bewässerungsfrage im Orient bekannt ist, als diese Tatsache. Es ist im' Orient eine uralte Erfahrung, die sich die britischen Eroberer zu Eigen machten, daß bei diesen nicht so sehr durch Wassermangel (Regenmangel), wie durch ungünstige Regen Verteilung hervorgerufenen Schwierigkeiten in der Landeskultur, das Wasser zur Zeit des Niiedergehens der Niederschläge in großen oder auch kleineren Speichern (Steuweihern) durch Absperren der Täler an geeigneten Stellen (durch gemauerte Talsperren oder Staudämme aus Erde) gesammelt, und in der Zeit des Bedarfes durch einen Hauptkanal (Hauptzubringer) in das Bedarfsgebiet geleitet und hier durch ein weitverzweigtes Netz von Bewässerungskanälen, größtenteils in naturlichem Gefälle auf die Flächen geleitet wird. Erst wenn die so gewonnenen Wassermengen nicht ausreichen und die Qellen und Wasserläufe voll ausgenützt sind, kommt die Anbohrung von Grundwasser oder artesischem Wasser in Frage, und zwar wenn hiebei noch eine Rentabilität gefunden werden kann, falls nicht andere zwingende Gründe maßgebend sind. Die Engländer haben in Indien, Aegypten und Australien gewaltige Stauanlagen errichtet, durch die die Bewässerung von vielen Millionen Hektar gesichert wurde. Man darf den Engländern nicht den Vorwurf machen, daß Palästina das einzige Gebiet ihrer Machtsphäre ist, wo sie nicht auch die erprobten Systeme des übrgien Orient verpflanzen wollten. Wenigstens ein Versuch ist in dieser Richtung unternommen worden, und zwar im Negew. Es ist zwar kein Versuch, der als Grundlage für eine großr zügige Aktion, ähnlich jener Anlagen in Aegypten oder Indien und Australien betrachtet werden kann, aber immerhin ein Zeic&en, daß das Verständnis für das Hauptproblem des Landes vorbanden ist, und zwar in der Richtung der allein möglichen Lösung. In Babylonien, Persien, Medien, Armenien bestanden in alter Zeit und bestehen vielfach auch heute noch SammelanjLagen, da die Bewässeirungswirtschaft hauptsächlich! darauf beruhte, daß man in Zeiten des Ueberh flusses Wasser aufspeicherte für die Zeiten des Mangels. Was Palästina betrifft, so finden wir heute außer den Salomonischen Teichen, die eine richtig angelegte Wasserspeicheranlage darstellen, wenn auch! nur für Trinkwasserzwecke, keine Spuren von ausgedehnten derartigen An>- lagen für Bewässerung. Das darf jedoch nicht als Beweis dienen, daß wir im Altertum solche Anlagen nicht hatten. Es ist kaum denkbar, daß die Landwirtschaft, welche eine Bevölkerung von 4—5 Millionen Menschen ernährte, dies ohne reichliches Bewässerungswasser getan haben konnte. Und solche Mengen waren nur durch Sammelanlage sicherzustellen möglich. Ich! glaube also, daß mit Recht Wimmer in seiner Arbeit: „Palästinas Boden mit seiner Pflanzen- und Tierwelt", die vom Handbuch der Ingenieurwissenschaften zitierte Behauptung aufstellt: „Die Fruchtbarkeit Palästinas war allein auf die Wässerungsanlagen zurückzuführen, die erst unter römischer Herrschaft wesentlich zurückgegangen sindi."