Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1934-08-01 · Heft 8-9 (August 1934) · p. Seite 347

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
17 (1934)
Issue
Heft 8-9 (August 1934)
Article
Arbeiterbewegung. Von Dr. A.T.
Date
1934-08-01
Page
Seite 347 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2379786-2379916-2379922--17990-2401790
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

kaufe und die jüdische Einwanderung begrenzen. Es mag nun sein, daß ein Teil der Kolanisten bereit wäre, auch, derartige Schlußfolgerungen zu ziehen. Das Organ des Kolonistenverbandes „Bcust'nai" war ja bekanntlich seinerzeit die einzige jüdische Zeitung im Lande, die den Versuch machte, die Einwanderungsbeschränkungen der palästinensischen Regierung zu rechtfertigen; Immerhin, mit nationalen Postulaten hat eine derartige Stellungnahme wohl wenig Gemeinsames. Viel ernster sieht im ersten Augenblick das zweite Argument aus, das seit jeher einen eisernen Bestandteil im Boykott der jüdischen Lohnarbeit in dem' Kolonien ausgemacht hat. Der jüdische Arbeiter ist tatsächlich teurer als der Araber. Sein Durchschnittslohn, gegenwärtig 20 Piaster täglich, übersteigt um 25, in gewissen Fällen sogar um öQo/o den Tageslohn des Arabers. Die Gründe sind ja bekannt: Das Lebensniveau des jüdischen Arbeiters ,Lst höher, und er hat in den allermeisten Fällen keinen Stützpunkt im eigenen, wenn auch noch«' so kleinen Betrieb, während für den Araber seine Arbeit in der Kolonie zumeist einen Nebenverdienst bedeutet. Und doch kann die Behauptung der Kolonisten, daß durch, das höhere Lohnniveiau die Rentabilität der Wirtschaft gefährdet wird, kaum als stichhältig anerkannt werden. In der Konjunkturperiode, die der Orangenbau in Palästina gegenwärtig durchmacht, und die noch viele Jahre andauern dürfte, spielt die HöMie der Lohnsätze keimet entscheidende Rolle. Verr gleicht man die Differenz zwischen der arabischen und der jüdischen Lohn* arbeit, die ungefähr V-/^ Pfund pro Dunam Orangengarten ausmacht, mit der Einnahme aus einer solchen Fläche (30 Pfund brutto, 15—18 Pfund netto), so versteht man >es sofort, daß es sich keineswegs um ausschlaggebende Ziffern (handeln kann. Es muß noch darüber hinaus in Erwägung gezogen werden, daß die allermeisten Vorkämpfer der arabischen Lohnarbeit keineswegs rein arabische, sondern bloß gemischte Arbeit (etwa zwei Drittel Juden, ein Drittel Araber) im Auge haben, so daß die oben genannte, ohnehin geringe Differenz auf ein Minimum herabsinkt. Am schlimmsten sieht es mit dem dritten Argument aus, das eine wunde Stelle im jüdischen Wirtschaf tslebenPalästinais berührt. Die Produktivität derLoh'narbeit in den Kolonien ist tatsächlich in den letzten Jahren bedeutend gefallen. In dieser Hinsicht klafft ein großer Gegensatz zwischen der landwirtschaftlichen und der Industriearbeiterschaft, deren Arbeitsleistungen von Jahr zu Jahr in einem überaus schnellen Tempo steigen. Die Ursache dieser sicherlich unerfreulichen Erscheinung liegt wohl in der Hauptsache in der geringen Erfahrung der Arbeiter, die sich in den allermeisten Fällen aus neuen Einwanderern rekrutieren, von landwirtschaftlicher Arbeit in ihrer spezifischen palästinensischen Gestaltung nicht viel verstehen und darüber hinaus noch viel an; Akklimatisierungsschwierigkeiten zu leiden haben. Ob die Eliminierung jüdischer Arbeit und deren Ersetzung durch Araber der richtige Weg ist, um gegen dieses Uebel anzukämpfen, muß freilich dahingestellt bleiben. Gegen diese Argumentation der Kolonisten führt die Arbeiterschaft die Beweggründe ins Treffen, die sie zum Kampf um die jüdische Arbeit in den Kor lonien selbst bei den heutigen infolge des Arbeitermangels überaus komplizierten Bedingungen bewegen. Den Hauptplatz nimmt noch immer das alte, seit dem Jahre 1905 immer wieder zurückkehrende Motiv ein, das seine Aktualität wohl nie verlieren wird: Das jüdische Aufbauwerk im Lande muß auf jüdischer Arbeit basiert sein, um vom nationalen Standpunkt aus Sinn und Bedeutung zu.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.