Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 17 (1934)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1934)
- Article
- Wirtschaft. Von a. b.
- Date
- 1934-06-01
- Page
- Seite 274 (sequence 5)
- Language
- German
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hasteten Neugründungen liegt, bei denen vielfach mehrere Fabriken derselben Branche gleichzeitig erstehen. Man darf nie vergessen, daß einerseits der Zollschutz ein ungenügender ist, daß Palästina ferner keine Kompensationsverträge schließen kann, trotzdem es gegenüber allen Ländern stark passiv im Außenhandel ist, was für die Exportchancen sehr ungünstig wirkt, andererseits daß es, wie in einem Artikel dieser Nummer (über den Einzelhandel) ausgeführt wird, nur ca. 200.000 Personen mit europäischen Konsumstandard im Lande selbst gibt. Eine zweite Gruppe der Konsumenten bilden die Touristen, deren Zahl sich heuer, bei der jeftzt streng gehandhabten Kautionsbestimmung, gegen das Vorjahr vermindern dürfte. Die dritte Gruppe bildet die Gründungskonjunktur in Bau und Industrie selbst, die aber natürlijeh nicht sicher gegen ajllfällige Rückschläge ist. Dies gilt vor allem für die Baukonjunktur. Wir beziehen uns auf die eingangs zitierten Angaben von Dp. Viteies und glauben, daß die Preise für Böden, Baumaterialien und Bauarbeiterlöhnen keine weitere Steigerung vertragen, ja daß sie in heutiger Höhe nicht haltbar sein.' werden, im Momente, wo das Verhältnis zwischen den verfügbaren Arbeitern und dem Tempo der Baubewegung ein weniger gespanntes sein wird, als heute. Durch die Mieter^ Schutzgesetzgebung wird immerhin ein gewisser Druck auf die Mietpreise auch bei Neubauten spürbar sein. Immerhin darf man trotz sehr kritischer Einstein lung in bezug auf den Bauboom nicht übersehen, daß die Mietpreise bis heute nicht höher sind als in anderen Städten mit Goldmiete (das sind Mieten, die nicht durch Gesetzgebung künstlich gedrückt sind). In europäischen Städten sind die Mietkosten in neuerrichteten Wohnungen auch nicht geringer als! durchschnittlich 21/2—31/« Pfund per Zimmer. Damit ist natürlich nicht gesagt, daß diese Mietpreise für palästinensische Wirtschaftsverhältnisse angemessen und tragbar sind. Sie sind es nicht mehr für die allermeisten Schichten, die nicht, wie dje Arbeiter derzeit Konjunkturlöhne haben und schon gar) nicht mehr für die Geschäftsleute, umsomehr die Mieten für Lokale nicht unter Schutz stehen. Jedenfalls scheinen die Mieten schon so hoch zu sein, daß, wahrscheinlich die Aufwärtsbewegung aller Kostenfaktoren für den Bau einigermaßen zum Stillstand kommen wird, ohne daß deshalb schon heute ein Rückschlag stärkerer Art eintreten müßte. Die Frage ist nur, ob sich die Wirtschaft auf dem heutigen Niveau ausbalanzieren kann und diese Frage jst, wie ausgeführt, schwierig zu beantworten. Das „Aufbau"stadium kann, zumindest was die Industriegründungen betrifft, nicht endlos in dem heutigen Tempo vor sich gehen, ebenso ist die Ausdehnung der Pflanzungen schon heute eine übermäßig große und aus diesen Gründen allein schon ist eine Verlangsamung in der Kapitals Investition in absehbarer Zeit zu erwarten. Vielleicht wird sich dann die jüdische Aufbauarbeit doch mehr* der eigentlichen Landwirtschaft zuwenden, in der keine großen Gewinne zu erwarten, aber noch sehr viel Möglichkeiten für die Erweiterung der Produktion jener Agrarerzeugnisse vorhanden sind, die heute in großen Meegen imM portiert werden. Im Jahre 1933 sind für nicht weniger als 21/2 Millionen Pfund Lebensmittel, Getränke und Tabak eingeführt worden. Natürjich ist eine solche Ausdehnung der landwirtschaftlichen Produktion nicht möglich!, so lange die Bodenpreishausse auch in Agrargebieten andauert, die Arbeitslöhne in den Städten so hoch sind, daß sie die Arbeiter vom Lande weglocken und namentlich, so lange die Differenz in der Lebenshaltung zwischen Juden und Arabern