Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 17 (1934)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1934)
- Article
- Politik. Von Spectator.
- Date
- 1934-06-01
- Page
- Seite 268 (sequence 3)
- Language
- German
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Position ist, dann muß man sich immer wieder fragen, wonin diese eigentümliche Art jüdischer Politik führen soll. Einen neuen verstärkten Anstoß erhielt dieser Kampf nun im dien letzten Wochen, als die Palästina-Regierung für das zweite Halbjahr 5694 nur 6500 Einwanderungs-Zertifikate bewilligte. Die Exekutive hatte 20.000 Zertifikate gefordert. Die Zahl von 6500 Zertifikaten wird aus zwei Gründen als viel zu klein bezeichnet: Erstens wegen der Lage der Juden im Gallith, die ein außerordentliches Äuswanderungsbedürfhis erzeugt, und zweitens wegen des Arbeitermangels in Palästina, der mit den bewilligten Zertifikaten nicht beseitigt werden kann. Beide Gründe sind zweifellos berechtigt. Ueber das Bedürfnis nach Auswanderung ist kein Wort zu verlieren; eine große Zahl von jungen Menschen wären heute zu einem harten Arbeiterleben in Palästina bereit, wenn sie ins Land hineingelassen würden. Was jedoch den Arbeitermangel betrifft, der sich infolge des rapiden Aufblühens der Wirtschaft und insbesondere wegen der beispiellosen Konjunktur des Häuserbaues fühlbar macht, so ist hier ein Problem, dessen Konsequenzen viel weiter reichen als bis zur numerischen Vergrößerung des Jischuw. Der heutige Zustand hat dazu geführt, daß massenhaft jüdische Arbeiter vom Lande in die Stadt abströmen, wo sie das Drei- und Vierfache verdienen können. Infolgedessen bleibt das jüdische Dorf ohne Arbeiter, was dazu führt, daß teilweise Arbeiten gar nicht bewältigt werden können, teilweise arabische Arbeiter in steigendem Maße heriangezogen werden. Ja, da es auch in mjanchen Gegenden keine arabischen Arbeiter gibt, strömen Araber aus ilem Hauran und Transjordanien ins Land, eine illegale Immigration, die viel gefährlicher ist als die der Juden. Die jüdische Arbeiterschaft aber steht auf dem Standpunkt, daß für die Erneuerung des jüdischen Volkes gerade das Dorf und die Landarbeit die wichtigsten Grundlagen sind. Der Arbeitermangel führt nicht nur zu einer unnatürlichen Ueberhöhung der Löhne und damit der Baukosten und Mieten, 'das heißt a.uen des Lebeaasstandards des Arbeiters, sondern bewirkt auch eine ungünstige Verschiebung in der sozial-ökonomischen Struktur des Jischuw, zugunsten der Stadt auf Kosten des Dorfes. Für die Arbeiterschaft wird die Lage noch dadurch kompliziert, daß eine Reihe von Kolonisten die Gelegenheit benützen, um an Stelle der jüdischen Arbeit die billigere arabische einzuführen, ein Vorgehen, gegen das die Arbeiterschaft mit allen Mitteln eines moralischein Druckes sich zur Wehr setzt, obwohl sie oft nicht in der Lage wäre, die geforderten jüdischen' Arbeiter beizustellen. Ein akuter Konflikt in Kfar Saba, wo die jüdischen Arbeiter - Wachtposten verhindern wollten, daß Araber in den Pardessim arbeiten, rührte den Jischuw von Grund aus auf. Es kam zu Verhaftungen jüdischer Arbeiter und zu Gefängnisstrafen, schließlich hat die Regierung in einer speziellen Verordnung das Postenstehen verboten — mit dem Erfolg, daß die Posten sich vermehrt haben und daß angesehene Persönlichkeiten des Jischuw ihre Sympathie mit den Arbeitern dadurch beweisen, daß sie selbst Posten stehen. (Glückson, Tschernichowsky, Agnon.) Die Einkerkerung der Arbeiterführer von Kfar Saba hat auch die Arbeiterschaft, die bisher die Hauptstütze der von der Exekutive verfolgten gemäßigten Politik war, ins Lager der antienglischen Strömung getrieben. Verstärkt wurde die Spannung! durch die Bestimmungen der neuen Palästina- Anleihe, die entsprechend den Anregungen des French-Berichtes und den bereits vor einem Jahre von der englischen Regierung abgegebenen Erklärungen zum Teil für Agrarkredite an