Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 17 (1934)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1934)
- Article
- Politik. Von Spectator.
- Date
- 1934-06-01
- Page
- Seite 267 (sequence 2)
- Language
- German
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Die Verschärfung der politischen Lage steht im Zusammenhang mit der Frage der Einwanderung. Im Herbst des vergangenen Jahres hat die Mandatarmacht bekanntlich Maßnahmen gegen die sogenannte illegale Einwanderung ergriffen, das heißt gegen jene Einwanderer, die entweder überhaupt ohne Erlaubnis oder iajber auf Touristen-Visum ins Land kamen. Die Zahl der als Touristen (bekommenen, ohne Aufenthaltsbewilligung im Lande bleibenden Juden wurde auf tungefähr 10.000 geschätzt. Die Regierung hat einer Reihe von illegalen Immigranten, die kein Zertifikat besaßen, die Landung verboten und auch dem bis dahin in einem gewissen IGxade durchführbaren illegalen Grenzübertritt an der syrischen Grenze ein Ende gemacht. Dagegen sind in Wahrheit nur eine ganz kleine Zahl illegaler Immigranten ausgewiesen worden. Die Zahl der ausgewiesenen Juden beträgt etwa 120, dagegen wurden 200 bis 300 Araber auf Grund derselben Verordnung ausgewiesen. Daß man mehr Araber faßte, dürfte an dem äußeren Umstand liegen, daß die arabischen Arbeiter aus den Nachbarländern, die ein sehr armes Element darstellen, auf offener Straße zu übernachten pflegen und man sie infolgedessen gelegentlich des Belagerungszustandes, :als von einer bestimmten» Abendstunde an alle Menschen in ihren Häusern sein mußten, auf der Straße fand. Die durch die übermäßige Aufregung entstandene Vorstellung, daß nun tatsächlich gegen tausende illegaler jüdischer Einwanderer vorgegangen wird, beruht auf einem Irrtum. Die Regierung wollte wohl nur durch Androhung schärfer Mittel für die Zukunft die Touristen-Einwanderung verhindern, weil diese Einwanderung den Grundsatz einer organisierten und kontrollierten Immigration völlig illusorisch macht. Wenn häufig in übertriebener Weise behauptet wird, England wolle die jüdische Einwanderung nach Palästina unterbinden, so muß gerechterweise darauf hingewiesen werden, daß trotz der arabischen Demonstrationen im Oktober, die teilweise blutige Folgen hatten, die Immigration ununterbrochen weiterging und sogar während der Unruhetage im* Zeichen des Belagerungszustandes etwa 2000 jüdische Immigranten in Palästina gelandet sind. In der Folge hat England den Touristenverkehr nach Palästina außerordentlich erschwert. Man verlangt von jedem Touristen Hinterlegung einer beträchtlichen Kaution, die verfällt, wenn er sie nicht persönlich wieder abholt. Diese Bestimmungen haben zweifellos der Touristen-Immigration einen Riegel vorgeschoben, aber auch die reguläre Touristik ist dadurch schwer betroffen. Die Stimmung der Unzufriedenheit in den jüdischen Reihen wurde von Agitatoren geschickt ausgenützt, am meisten natürlich von den Revisionisten, die auch ein parteipolitisches Interesse daran haben, Schwierigkeiten hervorzurufen, um der jetzigen Exekutive ihre Position zu erschweren. Im Dezember veröffentlichte die revisionistische Presse ein „Manifest" gegen England, unterschrieben von einer Reihe revisionistischer Führer mit dem Prof. Klausner an der Spitze, aber auch von Oberrabbiner Kuk und anderen orthodoxen Größen. Dieses Manifest wurde durch die revisionistischen Journalisten in die Welt telegraphiert, wobei fälschlicherweise auch der Name Bialik als einer der Unterschreiber angegeben wurde (so z. B. in der „Neuen Freien Presse" vom 13. Dezember 1933). Das Manifest ruft die Judenschaft zum „organisierten schärfsten Abwehrkampf" gegen England auf. Wenn man bedenkt, daß das jüdische Volk in der heutigen Weltsituation wenig Freunde hat und daß die öffentliche Meinung Englands in Wahrheit vielleicht die ausschlaggebende Stütze der jüdischen