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Palästina · 1934-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1934) · p. Seite 257

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Journal
Palästina
Volume
17 (1934)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1934)
Article
Der Einzelhandel in Palästina
Date
1934-06-01
Page
Seite 257 (sequence 2)
Language
German
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Interesse für „Aufmachung" vernachlässigte Schaufenster, kaum geschulte Bedienung. Nur einzelne Betriebe, insbesondere im Bekleidungs- und Buchhandelsfach, namentlich Gründungen amerikanischer Juden, wiesen modernere Züge auf. Diese Ausnahmen indessen unterstrichen noch den kleinstädtischen Eindruck, den man bis vor einem Jahre von den Hauptgeschäftsstraßen Tel-Avivs (Herzl-Straße, Nachlath-Benjamin-Straße, Allenby-Straße), Jerusalems (Jaffastraße) und Haifas (Herzl-Straße) gewinnen konnte. Eine Sonderstellung nahm die Belieferung des englischen Publikums (Beamten- und Offiziersfamilien) ein; ihr widmete sich seit längerer Zeit ein englisches Unternehmen mit Niederlassungen in Jerusalem, Jaffa und Haifa, das warenhausähnlich, jedoch oJine entsprechende Dimensionen und Aufmachung, sämtliche Konsumwaren führt. Schließlich sind die Konsumgenossenschaftsläden der jüdischen Arbeiterschaft zu erwähnen, die besonders für das flache Land wichtig geworden sind. All diesen Einzelhandelsunternehmungen von meist geringem Betriebsumfang begrenzter, nicht sehr auswahlreicher Lagerhaltung, ohne besondere Kundenwerbung orientalisch-patriarchalisch schlecht und recht geführt, trat im Laufe des Jahres 1933 ein gänzlich neuer Wettbewerbsfaktor gegenüber, das moderne Spezialgeschäft westeuropäischen Genres, von neu einwandernden Fachleuten aus Deutschland, Oesterreich und Polen ins Leben gerufen. Die Umwälzung im Straßenbilde der palästinensischen Städte ist schon oft geschildert worden. Neue imposante Ladenfronten entstanden. Die Ladenbautätigkeit war, gegenüber früheren Jahren, relativ fast noch intensiver* als der Wohnungsbau. Auf sämtliche Branchen erstreckten sich die Neugründungen, insbesondere das Bekleidungsfach, die Haus- und Küchengeräte, das Kunstgewerbe und die Luxuswaren aller Art. Weniger berührt wurde das Lebensmittelfach, wenngleich e,in paar hervorragend ausgestattete Fleischereien und Feinkostgeschäfte neu entstanden. Umwälzend war der Einfluß auf alle älteren Geschäfte. Die sprunghafte Verteuerung der Mieten zog auch s^e in Mitleidenschaft und um der neuen Konkurrenz gewachsen zu sein, sahen auch sie siqh zur Modernisierung ihrer Schaufenster und Inneneinrichtung, zu größerer Lagerhaltung, zum Ausbau ihrer Reklame, zur besseren Schulung ihres Personals gezwungen. Dieser Wandel der Dinge ist noch mitten im Fluß. Unvermittelt stehen im palästinensischen Einzelhandel „Alter Stil" und „Neuer Stil" nebeneinander. Ueberraschend erjhöht bei alledem das Publikum seine Ansprüche, verlangt bessere Bedienung und reichere Auswahl bei niedrigeren Preisen und formt sich von provinzieller „Stammkundschaft" immer mehr zu großstädtischer „Laufkundschaft" um. Wie wird sich der Bedarf in der Zukunft entwickeln? Von den 900.000 arabischen Landesbewojhnern kommt der weitaus größte Teil infolge geringer Kaufkraft und kaum entwickelter moderner Bedürfnisse als Abnehmer wenig in Betracht; ihn versorgen hauptsächlich Basar und Markt. Von den 230.000 Juden ist der fast bedürfnislose „alte Jischuw" Jerusalems, Safeds und Tiberias' mit etwa 40 000 Seelen abzuziehen. Außerdem werden etwa 20.000 Angehörige der jüdischen Arbeiterschaft, besonders auf dem Lande, durch die Konsumgenossenschaften versorgt. Im Ganzen dürften es (einschließlich europäischer Christen und wohlhabender Araber) rund 200.000 Personen in Palästina sein, deren Konsum modernen Zuschnitt aufweist und vom europäisch aufgezogenen Einzelhandel des Landes zu versorgen ist. Ist im Hinblick darauf der Einzelhandel Palästinas heute bereits „übersetzt"? Zweifellos muß

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