Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 17 (1934)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1934)
- Article
- Der Einzelhandel in Palästina
- Date
- 1934-06-01
- Page
- Seite 256 (sequence 1)
- Language
- German
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- Haifa 1× ep/1047930
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256 Der Einzelhandel in Palästina. Von Dr. J. Adler, Tel-Aviv. Wir entnehmen diesen Artikel dem Heft 4 der „Palästina-Nachrichten", Berlin. — Die Red. In den Städten Palästinas mit heute rund 450.000 Bewohnern beziehen etwa 16o/o der Bevölkerung als „Berufszugehörige" (Arbeitgeber, Arbeitnehmer, Familienmitglieder) ihren Lebensunterhalt aus dem Einzelhandel — also 72.000 Personen — und auf den Dörfern (heute rund 700.000 Bewohner) etwa 4o/o der Bevölkerung, was 28.000 Personen ausmacht. Bei insgesamt 100.000 Berufszugehörigen ist daher die Zahl der Emzelhandelsbetriebe Palästinas augenblicklich, wenn man in dem kinderreichen Lande auf einen Geschäftsbetrieb je 6—7 davon existierende Personen rechnet, mit rund 15.000 anzunehmen. Von den 15.000 Betriebseinheiten (Ladengeschäfte und ambulanter Handel) Palästinas befinden sich nach vorsichtiger Schätzung mindestens 2000 in Tel- Aviv, etwa 1700 in Jerusalem, 1500 in Haifa, 1300 in Jaffa. Nahezu zwei Drittel des palästinensischen Einzelhandels sind dem Lebensmittelfach zuzurechnen. Der palästinensische Kolonialwarenladen ist zumal in Wohnvierteln und an kleineren Orten als „Gemischtwarengeschäft" aufgezogen, führt also zugleich auch Obst und Gemüse, Gebäck, Tabak waren,, Papierwaren, Textil - Kurzwaren, Bürsten und Besen. Auf Schritt und Tritt begegnet man der Kombination Milchgeschäft—Frühstücksstube. Ferner sind die Manufakturwaren- und Konfektionsgeschäfte sowie die Schuhwarenläden zu nennen, oft mit Handwerksbetrieb verbunden, einem Schneideratelier bzw. einer Schuhmacherwerkstatt. Verhältnismäßig stark entwickelt ist das Apothekenwesen, der Einzelhandel mit Eisenwaren (zugleich Haus- und Küchengeräte), mit technischem Bedarf für Bauzwecke, Gewerbe und Landwirtschaft, mit Elektroartikeln (oft zugleich Installationsgeschäft), mit Saatgut und sonstigem Pflanzungsbedarf, in Fremdenverkehrszentren sind Geschäfte für Andenkenartikel und Kunstgewerbe häufig, in arabischen Vierteln und Ortschaften Juweliere (zugleich Goldschmiedewerkstatt) nicht selten, Ha die arabische Bevölkerung, insbesondere auf dem Lande, auch heute noch großenteils in Form von Goldschmuck „spart". Relativ neu im Bilde des palästinensischen Einzelhandels ist die Expansion des Buchhandels, der Papierwaren- und Bürobedarfsbranche, der Musikinstrumenten- und Radioläden, des Galanterie- und Spielwarenhandels, des Mode- und Luxuswarenvertriebs (viel Kosmetik). Bisher noch unbekannt für Palästina sind Warenhäuser und Einheitsgeschäfte. Bis zum Beginn der vorjährigen großen Einwanderungswelle waren an den palästinensischen Einzelhandel westeuropäisch-amerikanische Maßstäbe gereehterweise kaum anzulegen. Einesteils trug er orientalisches Gepräge. Die arabische Bevölkerung und unter den Juden die Sefardim und Jemeniten sind für ihre Bedarfsdeckung seit jeher an den Basar, den Marktplatz, den umherziehenden Lebensmittelhändler gewöhnt, der darüber hinaus übrigens auch1 Tel-Aviv und die modernen jüdischen Viertel Jerusalems und Haifas mit dem Großteil ihres Bedarfs an Obst^ Gemüsen und Fischen beliefert. In regelrechten Läden zu kaufen, ist der Orientale nur hinsichtlich der Manufakturwaren und der Medikamente gewöhnt. Die andere Gruppe des palästinensischen Einzelhandels, vom aschkenasischen Teil des Jischuws entwickelt, ließ deutlich den osteuropäischen Ursprung erkennen. Unansehnliche Läden, wenig