Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 17 (1934)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1934)
- Article
- Das Konjunkturrätsel in Palästina
- Date
- 1934-06-01
- Page
- Seite 236 (sequence 4)
- Language
- German
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gibt den sich schnell bewegenden Rädern der Wirtschaft einen gewaltigen Anstoß. Selbstverständlich handelt es sich hier nicht um die Entdeckung eines Heilmittels für die Weltwirtschaft, Dje Weltwirtschaftskrise wird durch Massenwanderung nicht gelöst werden), die Teile der Völker zwingen würde, von Platz zu Platz zu wandern, ihre Heimstätten und den von ihnen aufgebauten Produktionsapparat zu verlassen, obwohl dieser Apparat all ihre Bedürfnisse decken kann, um einen neuen Pr oduktionsapparat anderswo aufzubauen. Eine solche Lösung wäre absurd und paradoxal, und es streben nach einer ähnlichen Lösung eigentlich nur die Kriegshetzer. Jedoch unter besonderen Bedingungen der jüdischen Entwicklung war diese Erschütterung eine erwünschte und die durch sie ausgelöste Bewegung hat einen historischen Sinn, eine geschichtliche Logik, die durch die Judenfrage und Judennot bedingt ist. Wir müssen es jedoch verstehen, daß die palästinensische Hochkonjunktur in einer Zeit der Not der jüdischen Massen in der Welt kein Wunder ist. Die Hochkonjunktur ist die Folge einer wirtschaftlichen Bewegung, die durch diese; Erschütterung bedingt ist. Sie hat zu einer Disproportion zwischen Konsum und Produktion geführt und dadurch auch zum Zurückbleiben der Produktion hinter dem Konsum, d. h. zu einer besonderen Konjunktur, zu einer sozusagen „Kriegskonjunktur". Vor ungefähr einem Jahr haben wir für die palästinensische Wirtschaft ejtae paradoxale Prognose aufgestellt, daß diese, dank einer Disproportion in der Investition und Entwicklung verschiedener Wirtschaftszweige Fortschritte gemacht hat. Diese Disproportion kam in der Tatsache zum Ausdruck, daß l1/2 Millionen Pfund im Baugewerbe, l1/2 Millionen Pfund in Plantagen und nur eine halbe Million Pfund in allen anderen Wirtschaftszweigen, wie gemischte Landwirtschaft, Industrie und Transport investiert wurden. Die Entwicklung der Industrie im Jahre 1933 hat diese Prognose bestätigt. Die Baubewegung und die Plantagenwirtschaft haben den Markt und die Kaufkraft für die Industrie geschaffen. Ein amerikanischer Schriftsteller hat das Paradoxon der Notwendigkeit eines Bedarfes als Bedingung für die Entwicklung der Produktion in der modernen Wirtschaft, durch die folgende Umkehrung des bekannten Sprichwortes „wer nicht arbeitet, soll nicht essen" ausgedrückt: es wäre nämlich heute richtiger zu sagen: „wer nicht ißt, soll nicht arbeiten". Wir müssen die Investitionen und den Kapitalzustrom im Jahre 1933 analysieren, um uns zu überzeugen, ob diese für die palästinensische Wirtschaft vorläufig noch segensreiche Disproportion noch existiert, ob die Wirtschaftszweige, die für den inneren Markt nicht produzieren, wieder Raum für die Erweiterung der Industrie und der gemischten Wirtschaft geschaffen haben, d. h. ob die Investitionen im Baugewerbe und in Plantagen wieder die Investitionen in der Produktion für den inneren Markt weit überflügelt haben. Im Jahre 1933 dauerte der Kapitalzustrom nach Palästina in vollem Umfange an. Im Jahre 1932 kamen 727 Kapitalisten ins Land, um sich hier anzusiedeln, gegenüber 233 Kapitalisten im Jahre 1931 und 178 im Jahre 1930. Im Jahre 1933 kamen 2491 Kapitalisten ins Land, um sich hier anzusiedeln. Das Durchschnittskapital bei dieser Kategorie der Einwanderer ist nach den vorliegenden Erhebungen ziemlich groß, so daß für 1933 angenommen werden kann, daß mit den Kapitalisten ungefähr l1/2 Millionen Pfund ins Land gekommen sind. Anfang 1933 waren in den Banken Palästinas Depositen in