Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1934-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1934) · p. Seite 235

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
17 (1934)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1934)
Article
Das Konjunkturrätsel in Palästina
Date
1934-06-01
Page
Seite 235 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2379786-2379916-2379921-2400980--17642-2401235
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

aufsteigenden konjunkturellen Kurve des gewöhnlichen kapitalistischen Zyklus suchen? Die Analyse der Erscheinungen der palästinensischen Wirtschaft bringt uns zur Ablehnung dieser beiden Lösungen un,d zu einem Versuch, eine dritte Erscheinung zu definieren, die für die wirtschaftliche Entwicklungsperiode nach dem Kriege charakteristisch ist. Palästina entwickelt sich seit zwei Jahren unter Bedingungen einer Konjunktur von besonderem Charakter, wie wir sie erst in den letzten 20 Jahren kennen gelernt haben und die noch ihre Definition und ihren Namen in der Volkswirtschaftslehre nicht gefunden bat. Die Weltwirtschaft näherte sich schon vor dem Jahre 1914 einer Periode der Krise infolge der permanenten Erweiterung des Poroduktionsappairiates ohne gleichzeitiger Steigerung der Kaufkraft in demselben Maße. Die Wirtschaftskrise war nicht die Folge des Krieges, sie wäre auch ohne ihn e/mgetreteai, der Krieg hat die Wirtschaftskrise nur etwas aufgeschoben. In der Kriegszeit war keine Arbeitslosigkeit vorhanden. Die Industrie war voll beschäftigt, die Arbeitslöhne stiegen, die Industriellen ernteten riesige Gewinne. Das Schlachtfeld diente als ein sich' erweiternder Markt für den Produktionsapparat, der in seiner vollen Kapazität arbeitete. Dieser Prozeß kuliminierte in Amerika, wo die Hochkonjunktur das ganze Land erfaßte, und die Wirtschaft blühte, wie sie noch1 nie vor dem Weltkriege geblüht hat. Eine ähnliche Erscheinung ist auch ohne Krieg möglich. An jeder Stelle, wo ein Teil des Produktionsapparates zerstört wurde oder irgend eine Erschütterung eingetreten ist, hat eine derartige Erscheinung zu einer Besserung der Wirtschaftslage geführt. Die Hochkonjunktur in Frankreich nach' dem Kriege stand in großem Maße mit d\er Notwendigkeit im Zusammenhang, die durch das deutsche Heer zerstörten Gebiete wieder aufzubauen. Die Vorbereitungen zum Kriege in Japan bilden einen wichtigen Faktor in der japanischen Konjunktur. Der Fünf-Jahres-Plan in Rußland, d. h. die gewaltige Anstrengung, eine neue industrielle Wirtschaft zu schaffen, kann ähnliche Folgen herbeiführen und jedenfalls die Arbeitslosigkeit aufheben. Jedoch all diese Erscheinungen sind nicht durch rein wirtschaftliche Umstände zu erklären. Es muß ein seinem Ursprung nach nicht wirtschaftlicher" Faktor, wie Krieg, Revolution, gewaltige Erschütterung etc. auftreten, um eine derartige Konjunktur herbeizufuhren. Eine Massenemigration von einem Land ins andere, die auch durcb Emigration von Kapital begleitet wird, ein Uehergangsprozeß, der zwar nicht mitj Zerstörung einer Wirtschaft, aber mit dem Verlassen einer Wirtschaft und deshalb mit dem Zwang, eine neue Wirtschaft aufzubauen, verbunden ist, kann dieselben Folgen haben. Eine solche Entwicklung geht bekanntlich jetzt in Palästina vor sich. Zwar hat sich die palästinensische Bevölkerung im Laufe der letzten zehn Jahre zahlenmäßig nicht verdoppelt, jedoch, soweit es sich um wirtschaftliche Erscheinungen handelt, entscheidet der Bedarf, das spezifische Gewich!t der Immigration, und in dieser Hinsicht haben wir sicherlich zumindest eine Verdoppelung vor uns. Der Import selbst hat sich im Laufe der letzten neun Jahre verdoppelt, und er kann als ein Inklex fu> die Steigerung des» Konsums im allgemeinen dienen. Der Prozeß, die Bewegung, die Erschütterung,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.