Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 17 (1934)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1934)
- Article
- Das Konjunkturrätsel in Palästina
- Date
- 1934-06-01
- Page
- Seite 234 (sequence 2)
- Language
- German
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hinter dem Konsum zurückbleibt und in dieser Erscheinung ist wohl das Geheimnis der palästinensischen Prosperität verborgen." Diese Prognose hat sich im Lichte der Wirklichkeit bewährt; die Hochkonjunktur dauert an; die Wirtschaft blüht und die Disproportion hält an. Jedoch im absoluten und nicht im relativen Sinne erweiterte sich die Produktionabasis auch in Zweigen, die für den inneren Markt produzieren. Die Erweiterung des Konsums hat den Prozeß der Industrialisierung gefördert. Die Wendung zum Industrialisationsprozeß wurde jedoch vorerst durch die Investitionen im Baugewerbe und in Plantagen und durch die Existenz von zehntausenden von neuen Konsumenten ermöglicht. Die Erweiterung des Konsums mußt zeitlich der Erweiterung der Produktion vorangehen und diese weitgehend im Umfang überflügeln, um überhaupt die Produktion zu ermöglichen. Von diesem Standpunkt aus bildet die passive Handelsbilanz Palästinas und die Steigerung der Investitionen im Baugewerbe, die die Hälfte aller Investitionen im Lande ausmachen, (eine in der ganzen Welt ungewöhnliche Erscheinung) einen die landwirtschaftliche und industrielle Produktion fördernden Faktor. Diese Unv stände ermöglichen eine Atempause, die für die Erv^iterung des Produktions-« apparates notwendig ist und ohne die diese Erweiterung nie verwirklicht werden kann. Die Erweiterung des Produktionsapparates ist nur auf der Basis eines bestimmten Minimalbedarfes möglich. Hätte die palästinensische Wirtschaft den Produktionsprozeß für ihre Träger aufzubauein begonnen, würde sie nie an dem jetzigen Punkt angelangt sein. Der Weg zur Schaffung eines Produktionsapparates kann ohne eine Sicherung des Marktes im vorhinein nicht gebahnt werden. Das absolute Wachstum dies Produktiomsapparates war an diesen Bedingungen und mit Maßstäben der palästinensischen Wirtschaft gemessen, sehr groß. In diesem Zusammenhang mußte man vor allem die Industrialisierung als das charakteristische Merkmal des Jahres 1933 betrachten. Im Laufe eines Jahres wurden im Lande ungefähr 250 industrielle Betriebe außer handwerklichen Werkstätten gegründet. In diesen Betrieben wurden ungefähr 500.000 bis 600.000 Pfund investiert, also fast das Doppelte der Investitionen in der Industrie im* vorigen Jahr. Es wurden Betriebe in folgenden Industriezweigen geschaffen: Nahrungsmittel, Textil, Konfektion, Baumaterialien, Schuhe, Metall, Holz, Orangenkisten, elektrische Lampen, Stahlmöbel, Spielzeuge, Eisenbetonröhren, Rasierklingen, Pharmazeutica, kosmetische Artikel, elektrische Batterien, elektrische Geräte usw. Das Tempo der Industrialisierung im Lande soll jedoch nicht nur mit den Maßstäben der diesjährigen Gründungen gemessen werden; es muß auch die Dynamik in Betracht gezogen werden, die weitere Investitionen in der Industrie nach sich zieht. Einige große und ernste Projekte, die jetzt auf der Tagesordnung stehen, berechtigen zu der Prognose, daß der Industrialisierungsprozeß noch nicht abgeschlossen ist und wahrscheinlich im Jahre 1934 weitere Fortschritte machen wird. Das Problem ist: welche Faktoren fördern die Industrialisierung in Palästina zur Zeit einer Wirtschaftskrise in der Welt? Handelt es sich hier um einen strukturellen Aufstieg, um die Entwicklung eines zurückgebliebenen' Landes, das normalerweise den Prozeß der Kapitalisierung durchgeht, welcher im Laufe der Zeit alle kolonialen und unentwickelten Länder erfassen: muß? Oder sollen wir vielleicht die Faktoren der Industrialisierung in einet