Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 17 (1934)
- Issue
- Heft 2-3 (Februar 1934)
- Article
- [Nachricht] / A. T.
- Date
- 1934-02-01
- Page
- Seite 99 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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fehlte es an eigenen Mitteln, um eine derartige Bautätigkeit in einem nennens^ werten Maßstab in Angriff nehmen zu können. In beiden Beziehungen sind nun letztens bedeutende Aenderungen eingetreten. Trotz der fieberhaften Bautätigkeit herrscht heute in den Städten (in erster Reihe in Tel-Aviv, aber auch in Haifa und in Jerusalem) ein empfindlicher Mangel an Wohnungen, der eine bedeutende, in vielen Fällen geradezu exorbitante Steigerung der Mietpreise zur Folge gehabt hat. Andererseits hat die Steigerung der Löhne es vielen Arbeitern ermöglicht, gewisse Ersparnisse zurückzulegen, die im Wege einer genossenschaftlichen Bautätigkeit und bei einer entsprechenden (allerdings nicht immer genügenden) Kredithilfe von auswärts eine starke Entwicklung des städtischen Arbeitersiedlungswerkes in den letzten Jahren ermöglicht haben. Die Gesamtzahl der in den besonderen Arbeitervierteln in Tel-Aviv, Haifa und Jerusalem angesiedelten Arbeiter ist bis Anfang 1934 auf 3100 gestiegen, 600 Arbeiterhäuser waren bis zu jener Zeit fertiggestellt, 860 werden in der allernächsten Zeit bezogen werden können. Doch wie erfreulich die Tatsache an und für sich sein mag, da sie den Arbeiter von dem Wohnungswucher befreit und ihm ein gewisses Gefühl von Sicherheit in seinem Leben verschafft, auch hier reiht sich ein soziales Probleem an das andere an. Zunäcfet die Bodenfrage. Nur ein Teil dieser Arbeitersiedlungen ist auf dem Boden des KKL. errichtet worden, in welchem Falle die Bodenfrage fast ganz ausgeschaltet wird, obzwar auch da etwaige Mißbräuche (z. B. bei Weiterverpachtung oder Teilung der Grundstücke) nicht ausgeschlossen sind. Doch ist der KKL. angesichts der gewaltigen Steigerung der Bodenpreise in der Umgebung der Städte nicht immett imstande, den Boden für die Arbeitersiedlungen zur Verfügung zu stellen, ein gewisser Teil des Bodens mußte also durch die Genossenschaften selbst oder gar durch einzelne Arbeiter privat gekauft werfden und wenngleich eine starke Tendenz besteht, auch diesen Boden in den Besitz des KKL. hinüberzuführen* so bleibt die Versuchung zur etwaigen Spekulation doch weiter bestehen, umsomehr, als die Bodenpreise tatsächlich von Tag zu Tag steigen. Im engsten Zusammenhang damit steht die Frage der Bodenfläche, die dem einzelnen Siedler für sein Haus gewährt werden soll. Es wäre natürlich vom menschlichen und vielleicht auch vom nationalen Standpunkt aus zweckmäßiger, diese Fläche etwas größer zu bestimmen, um dem Arbeiter auch die Anlage eines kleinen Gartens beim Haus zu ermöglichen, doch spricht dagegen einerseits die Möglichkeit einer spekulativen Ausnutzung der freibleibenden Fläche, andererseits die Notwendigkeit, soviel Arbeiter als möglich auf dem ohnehin knappen Bodenbesitz anzusiedeln. Ein weiteres schweres Problem stellt die Frage der Zimmervermietung dar. Darf ein Arbeiter überhaupt Zimmer in seinem Haus vermieten und wie hoch soll der Maximalpreis bemessen sein, um einer spekulativen Steigerung der Miete vorzubeugen? Alles Fragen, die aus der allgemeinen städtischen Bodenpolitik ziemlich gut bekannt sind, die sich aber in unserem Falle viel schwerer komplizieren, weil wir es einerseits mit einem sich überaus rasch entwickelnden Land zu tun haben und anderseits der große Organisationskörper der Histadruth dasteht, der es in sozialen Fragen nur allzu ernst meint und gegen jedweden Mißbrauch mit aller Strenge einzuschreiten entschlossen ist. So gesellt sich denn hier zu den früher erwähnten Bedenken noch ein weiteres fundamentales hinzu, das im städtischen Siedlungswerk der anderen Völker fast gar nicht bekannt ist, und zwar: ob denn dieses Siedlungswerk, das zu einem großen Teil auf den Grundsätzen des